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Autor Thema: Kultur von Stein-Laelien  (Gelesen 153363 mal)


Offline Berthold

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Kultur von Stein-Laelien
« am: 03.Mai.09 um 11:23 Uhr »
« Letzte Änderung: 28.Okt.10 um 22:47 Uhr von Berthold »
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #1 am: 03.Mai.09 um 13:06 Uhr »
wenn ich das wüsste :ka... Die Temperaturen lagen im Winter min Tag 18°C, Nachts 15°C....
Gruß Frank
 

meine stand im Winter bei 4° und ganz trocken aber bei 90% Luftfeuchtigkeit. In den letzten 3 Monaten hat die Sonne das Kalthaus auf bis 25° aufgeheizt und die Pflanze wird leicht feucht gehalten.
Sie bewegt sich überhaupt nicht, wie eine Plastikpflanze.
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Offline Gitti

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #2 am: 03.Mai.09 um 14:43 Uhr »
Hallo Berthold,

das mag vielleicht daran liegen, dass es im Winter etwas zu kalt und dann natürlich auch zu trocken war.

Die Pflanzen leben in der Natur meistens auf Steinen, haben aber immer eine humose Unterlage, welche stets feucht ist. Auch dort wird es teilweise sehr kalt, aber 4 Grad haben die, soviel ich weiß, nicht. Vielleicht kannst der Pflanze im nächsten Winter ein paar Grad mehr geben, dann sollte sie sich auch bewegen.

Grüße Mocki


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #3 am: 04.Mai.09 um 17:15 Uhr »
Ich denke das war etwas zu kalt. Zumal währe es toll wenn du mal die Pflanze ablichten könntest und hier posten würdest....

Gruß Frank

Frank, sie wird genau wie in einer vermoosten Felsspalte in 2000 m Höhe behandelt:



nur die UV-Strahlung kann ich nicht bieten.
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Offline Lisa.

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #4 am: 04.Mai.09 um 20:17 Uhr »
Frank, Du hast so schöne Steinchen. Danke für die Ausführungen.

Eine Frage: Lieber etwas tiefer als zu hoch topfen?
Was du noch beachten sollst beim Topfen,ist das das Rizom ca. zu einem Drittel bedeckt ist. Dazu verwenden ich nach dem Topfen mit Lavalit ein wenig feinen Kies der wird ganz dünn auf dem Topf ausgebreitet, die Funktion dieser "Deckschicht" ist einfach...Die Wurzeln mögen die Sonne nicht so gerne, die Wurzel ziehen dann regelrecht in den Topf nach unten.

Ist das ok so (mein erstes)? Ich topfe Cattleyen-Zeug immer so, dass die nächsten Neutriebe überm Substrat rauskommen...
Grüße
Lisa


Leni

Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #5 am: 04.Mai.09 um 21:38 Uhr »
Hi
Frank hat schon alles gesagt, vielleicht noch ein paar Hinweise von mir.
Wie ich schon vor Jahren im "alten Forum" schrieb, ist das entscheidende ein sehr strukturstabils Substrat, das sehr gut Wasser abzügig ist.
Es ist aus meiner Erfahrung heraus vollkommen egal, welche Gesteinsarten man nimmt.
Ob Gneis, Granit, Lava, es ist egal. Es gibt keine nennenswerten Unterschiede.
Allerdings bietet für mich Lava inzwischen 2 entscheidende Vorteile im Vergleich zu anderen Gesteinen. Zum einen das Wasserhaltevermögen und in der Verwitterung das Freisetzen von Spurenelementen.
Den organischen Anteil im Substrat sollte nicht unterschätzt werden. Hier verwende ich fast kaum noch Rinde, da sie zu kurzlebig ist, zu stark säuert. Inzwischen verwende ich hier Kokosfaser  gehackt.  Ich versuche den Anteil wieder zu erhöhen, da, wie Frank schon schrieb, im Sommer täglich 2 x gewässert wird. Das ist mir etwas zu viel.
Der Tontopf ist Muß.
Die Erfahrung mit den Abdecken der Wurzeln habe ich auch gemacht. das "Verbrennen" der Wurzeln an heißen Sommertagen wird noch verstärkt, je dunkler (Lava) die Substratoberfläche ist. Ich habe diverse Mosse getestet, eine Super Lösung ist noch nicht gegeben. Die typischen Steinmoose zerfallen schon beim Entnehmen und wachsen sehr schlecht an. Besser war das Ausbringen von reifen Sporenkapseln, es dauert halt dann ein bisserl.
Anbei noch ein paar Bilder aus dem Netz, die ein paar Steinlaelien am Naturstandort zeigen.

Laelia lucasiana


Laelia bradei


Laelia tereticaulis


Liebe Grüße

Leni


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #6 am: 04.Mai.09 um 22:04 Uhr »
Oh je Berthold :heul :heul....da blutet mein Herz...
Ich hoffe das hilft dir noch mehr weiter....
"steinchenhafte" Grüße Frank

Oh je Frank, ich hatte sie in einem kleinen Tontopf, so wie Deine Pflanzen und wollte ihr jetzt mal was Gutes tun. Sie hat auch 10% Neudohum im Substrat als Dünger und als Pilzinfektion. Dann muss ich wohl alles wieder zurück bauen.

Die längere Phase der Feuchtigkeit des Wurzelbereiches, die Du in Plastiktöpfen bemängelst, dürfte doch eigenlich nur die Infektionsgefahr erhöhen aber das Wachstum fördern. Ich setze da einige Pilze im Substrat ein, die andere Infektionspilze und anaerobe Bakterien fernhalten. Das sollte doch eigentlich auch bei Epiphyten funktioniern, was meinst Du?
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Offline Lisa.

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #7 am: 04.Mai.09 um 22:32 Uhr »
Na ja also ein wenig feiner Aquariumkies,oder feines Lavalit(bekommt man als Streugut im Baumarkt)oben rauf währe schon besser....der NT sucht sich den Weg durch das feine Streu, vielleicht so viel das gerade noch die hälfte des NT´s rausschaut......zumindest sollest du die Wurzel bedecken. Aber ansonsten sieht sie sehr gut aus die kleine...ist das eine lucasiana???
Gruß Frank

Bei diesem Substrat muss man sich wohl auch weniger Sorgen um das Verfaulen der Neutriebe machen. Gut, dann decke ich sie noch etwas ab. Danke!

Soll eine fourneri sein.
Grüße
Lisa


Offline Lisa.

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #8 am: 04.Mai.09 um 22:54 Uhr »
Soll eine fourneri sein.
Ok auf die erste Blüte bin ich mal gespannt........

Ich auch; sie hatte schon geblüht, aber noch nicht bei mir.

Sagt mal, Neudohum, das ist doch quasi Blumenerde, oder?
Grüße
Lisa


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #9 am: 05.Mai.09 um 00:26 Uhr »
Sagt mal, Neudohum, das ist doch quasi Blumenerde, oder?

diese Neudohum Pflanzerde ist eine Standardblumenerde ohne Torf mit Holz und Kokos, etwas Ton und viel Dünger. Ausserdem enthält sie Bodenpilze, die Nährstoffaufnahme vieler Pflanzenarten deutlich verbessern.
Bei den Erdorchideen besteht der Effekt darin, dass das Wurzelsystem nicht abfault, es existiert also ein Schutzeffekt vor anaeroben Bakterien und bösartig wirkenden Pilzen. Unter diesen Randbedingungen können die Erdorchideen stärker gedüngt werden ohne abzufaulen.
Neudohum ist nicht sehr lange stabil, nach ca. 5 Monaten bei feuchter Haltung wirkt der Schutzeffekt nicht mehr und es können sich andere Pilze im Substrat ansiedeln, die jede Orchidee schnell zum Abfaulen bringt.

Es ist in reiner Form optimal zum Pikieren von Flaschensämlingen von Erdorchideen für ca. 6 Monate. Erste Versuche mit Sämlingen von Epiphyten sehen erfolgsversprechend aus.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)


Offline Lisa.

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #10 am: 05.Mai.09 um 13:09 Uhr »
Von Sämlingskultur habe ich gar keine Anhung, aber generell würde ich zumindest keine Erde an "erwachsene" Epiphyten tun. Auch die, die viel Wasser mögen, wollen trotzdem Luft an den Wurzeln und Erde verdichtet zu sehr.
Bei Vanille und Cymbidium mag das z.B. gehen, bei Laelia und Cattleya lieber nicht.
Grüße
Lisa


Offline Charlemann

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #11 am: 05.Mai.09 um 15:33 Uhr »
Sie bewegt sich überhaupt nicht, wie eine Plastikpflanze.

Sie soll sich ja auch nicht bewegen Berthold, sondern wachsen.
Und das tut sie nur Sonntags Mittags zwischen 12.42Uhr und 12.44Uhr.
Ist halt kein Bambus. Blüt dafür schöner!


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #12 am: 05.Mai.09 um 17:20 Uhr »
generell würde ich zumindest keine Erde an "erwachsene" Epiphyten tun. Auch die, die viel Wasser mögen, wollen trotzdem Luft an den Wurzeln und Erde verdichtet zu sehr.
Bei Vanille und Cymbidium mag das z.B. gehen, bei Laelia und Cattleya lieber nicht.

Das verdichtete Substrat mit dem geringen Luftaustausch hat ja den prinzipiellen Nachteil, dass sich anaerob arbeitende Mikroorganismen im Wurzelbereich festsetzen und die Wurzeln zerstören wenn genügend und gleichmässig Feuchtigkeit vorhanden ist.

Wie ich die schönen Bilder vom Naturstandort beurteile wachsen dort die Pflanzen in den Felsspalten auch in einem ziemlich dichten Substrat. Diese kleinen Humusnester in den Felsspalten sind meist stark verdichtet. Die gleichen Verhälntnisse hat man auch in unseren Alpen, wo z.B. diese Teufelskralle Phyteuma comosa wächst.

http://images.google.de/imgres?imgurl=http://flora.nhm-wien.ac.at/Bilder-P-Z/Physoplexis-comosa-2.jpg&imgrefurl=http://flora.nhm-wien.ac.at/Seiten-Arten/Physoplexis-comosa.htm&usg=__4IKAvVU-MhRlRSRlpM1ZC3CiCAg=&h=768&w=576&sz=73&hl=de&start=2&um=1&tbnid=AnWd77Ptmzu2TM:&tbnh=142&tbnw=107&prev=/images%3Fq%3Dphyteuma%2Bcomosa%26hl%3Dde%26sa%3DN%26um%3D1

Welche Mechanismen verhindern am Naturstandort, dass die Laelien dort in verdichtetem Substrat existieren können und hier bei der Topfkultur nicht?
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)


Offline Charlemann

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #13 am: 05.Mai.09 um 21:03 Uhr »
Welche Mechanismen verhindern am Naturstandort, dass die Laelien dort in verdichtetem Substrat existieren können und hier bei der Topfkultur nicht?

Der Platz in der Steinritze? grins


Offline Berthold

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Re: Kultur von Stein-Laelien
« Antwort #14 am: 06.Mai.09 um 14:20 Uhr »
Sehr interessante Standorte, Ralle. Ich schätze es handelt sich um Sandgestein oder Gneis mit einem pH-Wert von ca. 5 in den Humusnestern.
Hat jemand diese Standorte mal genauer untersucht? Vielleicht ist der pH-Wert auch noch niedriger, sodass sich die Pflanzen durch die sauren Bedingungen Infektionsen vom Halse halten, so, wie das z.B. Cypripedium acaule macht.
Wenn das zutrifft, könnte man die Pflanzen hier in saurerem Substrat mit mehr Feuchtigkeit und bei höheren Temperaturen kultivieren, ohne ein Abfaulen zu riskieren.
« Letzte Änderung: 06.Mai.09 um 14:24 Uhr von Berthold »
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