Spiranthes spiralis

Begonnen von Claus, 28.Feb.09 um 23:45 Uhr

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Uhu

#90
Hallo Berthold,

ist der Standort Deiner Spontanaussaat sauer oder eher basisch?

Ich hab das schöne Wetter genutzt und den nächst gelegenen mittelhessischen Standort besucht. Scheint ein gutes Jahr zu sein, bei 100 hab ich aufgehört zu zählen und danach noch einige Pulks gefunden. Obwohl sehr sonnig und oben am Tal gelegen war es gar nicht so trocken, Die neuen Rosetten waren alle von Flechten oder anderen Kräutern überdecckt. Die Erde war trotz mehrtägiger Trockenheit noch recht feucht. Der Standort ist nach der Begleitflora richtig sauer. Teilweise standen die Pflanzen im blühenden Heidekraut (Callina vulgaris)

Gruß Jürgen
Grüße Jürgen

Berthold

Zitat von: Uhu am 05.Sep.10 um 21:18 Uhr
Hallo Berthold,

ist der Standort Deiner Spontanaussaat sauer oder eher basisch?

Gruß Jürgen

Jürgen, hier ist es etwa neutral.
Ich kenne einen basischen Standort in der weiteren Nähe. Aus Jersey wuchs sie auf einem lehmigsauren Golfplatz, ähnlich Deinem Standort. In Südeuropa kenne ich sie von basischen Standorten.

Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Belo144

Letztes Jahr habe ich sie in der Provence auf Granit gefunden, dieses Jahr in den Cevennen und den Grands Causses sowohl sauer als auch über Kalk. Der Standort im Perigor, wo die ersten Samen her waren ist auch über Kalk. Die Streubreite scheint also doch etwas größer zu sein, kann aber auch genetisch festgelegt sein.
Gruß,
Lothar

Berthold

Die Selbstaussaat in Garten ist doch wieder aufgetaucht


Es müssen also Pilze zum Keimen und welche zum Überleben der adulten Pflanze vorhanden sein.
Der Rasen an der Stelle ist sehr nährstoffarm, sodass dort kaum andere Pflanzen wachsen.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Uhu

Das sind ja Prachtexemplare  :thumb
Grüße Jürgen

Eveline†

Diese Schätze entdeckst Du erst jetzt? Ob Du nicht zu lange vor dem Computer sitzt und daher nicht im Bilde bist, was sich in Deinem Garten tut?

Naja, bei den unendlichen Weiten Deines Großgrundbesitzes auch wieder irgenwie verständlich.

Rafaelissimo

Hallo zusammen,
wird Zeit sich mal wieder zu melden. Auch ich habe Spiranthes spiralis ausgesät (asymbiotisch, OR-1, ähnlich Malmgreen mod.) und möchte als Vergleich die Daten bekannt geben: Ernte der Kapseln 21.09.2009, Aussaat 25.09.2009, umgelegt am 03.02.2011, getopft am 30.08.2011. Nicht gerade eine zeitliche Meisterleistung, aber es fehlt einfach an Zeit sich mehr darum zu kümmern.
Übrigens leben die Eltern, wie auch die 1600 blühende Verwandte auf einem ca. 300m² grossen Dach.
Beste Grüsse,
Rafael

Uhu

Hallo Rafael,

schöner Erfolg, weiterhin viel glück damit. Kannst Du noch etwas zu den Mutterpflanzen auf dem Dach schreiben? Exposition, Dachneigung, Substratzusammensetzung und -dicke, Wässerung bei trockenheit, Begleitarten.... es gibt einiges was miich dabei interessiert. - Mein Dach ist für kollektoren wenig geeignet :rot
Grüße Jürgen

Berthold

Zitat von: Belo144 am 24.Aug.11 um 15:40 Uhr
Hallo Jürgen,

die sehen ja super aus. Ich hatte damals von dem Samen von Frau v. Ramin ja auch etwas im Garten verteilt, habe aber bis heute keine Sämlinge gefunden.


Lothar, der Samen von Frau Ramin war wohl zu alt. Er hat bei niemandem gekeimt, werde symbiotisch noch asymbiotisch.

Frischer Samen keimt ganz einfach symbiotisch, deshalb muss es wohl am Samen gelegen haben.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Timm Willem

Hallo Rafael,
kannst Du schreiben bei welcher Temperatur die Becher gestanden haben?

Rafaelissimo

Ciao Timm,
Die Pflanzen standen immer bei ca. 22-24° C. Nur einmal standen sie für ein Wochenende bei ca. 55°C :D
Kein Witz, die Klima ist im Labor ausgefallen und praktisch alle, vor allem Mykorrhizakulturen gingen drauf. Soviel zum Thema "Kaltlichtröhre" :D
Grüsse,
Rafael

Rafaelissimo

Ja, die Kollektoren... grad die Ultragrünen bei uns fahren total auf die Photovoltaik-Welle ab. Plötzlich werden die Rosenquarze vom Nachttisch und Monitor geräumt und alle machen jetzt mit.
Zurück zum Thema:
Die Mutterpflanzen stehen in einem sonst "ungewöhnlichen" Substrat (18% Tonanteile, 79% ,gebrochener Blähton, 1% Quarz. 1% Kalk, 1% Glimmer). Normalerweise finden wir (bis auf Dactylorhiza sp.) bei den Orchideendächern nur einheimische Substrate vor, sprich Erdaushub. Das älteste Dach in der Schweiz mit seinen 16 000 m² ist vor Hundert Jahren errichtet worden und beinhaltet inzwischen 11 Orchideenarten, davon ca. 30 000 Anacamptis morio jedes Jahr ( stark schwankend). Die gebrochener Blähton Substrate sind zwar leicht, aber damit hören die Vorteile in der Regel schon wieder auf (aus botanischer Sicht). Aber Anyway, zurück zu Deinen Fragen:
Substrathöhe ca. 12 cm. Keine Drainagematte oder ähnliches, der Boden ist aufgrund von Kalkmangel und eher weichen Regen (städtisch/ländlicher Charakter der Gegend)leicht sauer (Heidegewächse) trotzdem zeigte der pH-Wert einen Wert von 6.8, also neutral. Es kommen noch 4 weitere Orchideenarten vor D. incarnata, D.fuchsi, D. majalis (die gibts fast überall) und Epipactis palustris. Das Dach ist lediglich 4x 300 m² gross. 1% Neigung, Flachdach mit Abflüssen in der Mitte, Geb.höhe 4 m, errichtet 1977, Winde aus dem Tal wehen die Samen heran und bleiben an einer Schutzwand hängen ( Vermutung, keine wissenschaftl. Belegung), keine Staunässe, keine Wässerung, Strukturen in der Substrathöhe vorhanden (Wal von ca 24 cm). Wenn Du auch Details und Begleitflora wissen willst, lass es mich wissen. Es ist auf jedem Fall das einzige bekannte Spiranthes spiralis Dach und mit (dieses Jahr)3700 blühenden Exemplaren die grösste Population Schweizweit, bezogen auf die Fläche und Situation vielleicht sogar Europaweit.Für Botaniker, Bauarchitekten und andere Gleichgesinnte mache ich jedes Jahr Exkursionen. Solltest Du Interesse haben, kannst Du gern dazustossen.
Beste Grüsse,
Rafael

Zitat von: Uhu am 30.Aug.11 um 20:54 Uhr
Hallo Rafael,

schöner Erfolg, weiterhin viel glück damit. Kannst Du noch etwas zu den Mutterpflanzen auf dem Dach schreiben? Exposition, Dachneigung, Substratzusammensetzung und -dicke, Wässerung bei trockenheit, Begleitarten.... es gibt einiges was miich dabei interessiert. - Mein Dach ist für kollektoren wenig geeignet :rot

Berthold

Spiranthes spiralis Sämlinge, symbiotisch, 3 Monate nach der Aussaat.
Durch eine bakterielle Infektion hat die Entwicklung ca. 1 Monat still gestanden. Dann haben sich der B1 nach dem Umsetzen auf neuen Haferflockenagar mit Neudohum aber doch wieder durchgesetzt und können die Sämlinge weiter fördern.

Ausgesät wurde frischer Samen aus dem Garten mit 10 Minuten 3% H2O2 Desinfizierung.

Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Alexa

Sieht gut aus, aber zwei Pflänzchen erscheint eine magere Ausbeute, oder soll das so sein?

Berthold

Zitat von: Alexa am 09.Feb.12 um 16:37 Uhr
aber zwei Pflänzchen erscheint eine magere Ausbeute, oder soll das so sein?


nein, hier passen schon 5 oder 6 rein, aber durch die bakterielle Infektion sind die anderen 50 Stück zu klein geblieben. Deshalb habe ich sie entsorgt.

Bei den beiden grösseren hat sich entweder der Pilz gegenüber den Bakterien besser durchgesetzt oder die Sämlinge selber sind empfänglicher für die Pilzernährung.

Der Test diente im Wesentlichen dazu, herauszufinden, wie sich der Pilz gegenüber den Bakterien verhält.
Er ist also nicht verloren, kann sich wehren und wieder gewinnen.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)