Orchideenkultur

Fachbereich => Allgemeines => Thema gestartet von: Ruediger am 13.Mär.10 um 16:03 Uhr

Titel: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ruediger am 13.Mär.10 um 16:03 Uhr
Hallo,

evtl. kann mir hier jemand Auskunft geben.
Es gibt bei Importen von verschiedenen Händlern gerne den Zusatzt Naturentnahme.
So hatte ich schon einmal eine Phal. venosa erhalten.
Ansonsten bisher meines Wissens nur Nachzuchten.

Sind dies echte Naturentnahmen oder Arten, die wie in der Natur aufgezogen wurden. Z.B. Pflanzen aus Samennachzucht die in Plantagen an Bäume im freien gesetzt wurden.
Und dann nur als solche deklariert werden um die härteren Aufzuchbedingungen zu signalisieren.
Die Pflanze sah schon ramponierter aus als meine sonstigen Käufe.
Ich neige ja eher zu letzteren Annahme, d.h. keine reine Wildform.

Ich dachte Cites läßt keine echten Sammlungen (und Handel) aus der Natur zu?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Greenruck am 13.Mär.10 um 16:47 Uhr
Hallo,

Naturentnahme bedeutet in der freien Wildbahn gesammelt und nichts anderes.
Unverständlich, nach Artenschutzabkommen eigentlich undenkbar. Von welchem Land kamen denn die Pflanzen. Und wer würde auch noch drauf schreiben, das er gegen Gesetze verstößt.
Und zu Deiner Frage, wenn Du vor Ort mal in solch einer Orchideengärtnerei in einem Ursprungsland gewesen bist, da hängt alles in den Bäumen bzw. im Freien nur unter Regen - und Sonnenschutz. Ich bin zwar auch nicht mehr auf dem Laufenden, was Importe angeht, aber eventuell hat jemand noch eine Bemerkung dazu.

Steffen
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 16:54 Uhr
Schön, dass jemand fragt.
Zu dem Thema habe ich auch schon relativ erfolglos gesucht. Gefunden habe ich lediglich, dass Orchideen nicht ohne behördliche Genehmigung der Natur entnommen werden dürfen. Wie es aber zu solchen Genehmigungen kommen kann...  :ka

Bei Phalaenopsis habe ich öfters den Zusatz "Naturentnahme - wild taken" gelesen.  :ka
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: AndiL am 13.Mär.10 um 16:57 Uhr
Also es gibt wohl 2 Punkte zum trennen.

Einmal die Entnahme aus der Natur, nationale Behörden.

Zum Anderen dann der internationale Handel, das regelt die Cites.



Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 13.Mär.10 um 17:04 Uhr
Es gibt Leute welche hoffen, bei einer Naturentnahme könnte mal eine besondere Form oder gar eine neue Art bei sein.
Ist wohl auch schon vorgekommen.
Ist also eine spezielle Werbung. Ob es dann stimmt, sei dahin gestellt.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Solanum am 13.Mär.10 um 17:14 Uhr
Also meines Wissens sind das tatsächlich Naturentnahmen, oft werden sie nichtmal als solche deklariert, man sieht es dann nur daran, daß da Äste im Wurzelwerk hängen. Soweit ich gehört habe, können lokale Orchideenhändler die Verbote umgehen, weil sie von den dortigen Behörden die erforderlichen Papiere für Naturentnahmen kriegen (da ja die Wälder eh abgeholzt werden, oder einfach so, keine Ahnung), und wenn die Papiere ok sind, können die Pflanzen ja in ein deutsches Wohnzimmer kommen.  :ka
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Peter am 13.Mär.10 um 17:31 Uhr
ich kenne ein wenig die Verhältnisse in Südostasien.

Es wird nach wie vor sehr viel Primärwald abgeholzt, natürlich lokal genehmigt.
Z. B. auf Borneo werden in diesen Jahren in großem Umfang Flächen für Palmölplantagen und zum Anbau von Reis geschaffen. Weil man im malaysischen Borneo unabhängiger von Reiseinfuhren werden möchte und weil man mit Palmöl anscheinend viele Devisen erwirtschaften kann. Jedes Jahr sind dort mehr Flächen an zerstörtem Urwald erkennbar. Das nennt sich sinnigerweise clearing.

Die Orchideen an den gefällten Bäumen werden abgesammelt, sicherlich mit behördlicher Genehmigung. Sie gehen dann über Sammelstellen an Gärtnereien / Händler dort. Diese exportieren sie. Ganz legal, mit CITES. Solche Herkunft heißt hier dann m. E. "Naturentnahme".
So erkläre ich mir auch, warum hier Naturformen in dieser unglaublichen Vielfalt angeboten werden. M. E. sind die sämtlich nicht künstlich vermehrt. Es gibt einige Gärtnereien in Südostasien, v. a. in Taiwan und Thailand, die  Arten aus Samen nachziehen.

Naturformen haben dort übrigens etwa den selben Stellenwert wie hier: Hybriden sind doch viel schöner! Nur Sammler von Seltenem, und damit Wertvollem, aus China und Taiwan, kaufen Naturformen. Und Orchideenliebhaber und -freunde aus Amerika und Europa.

Gruß
P.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 13.Mär.10 um 17:34 Uhr
Um es mal klar zu stellen. CITES ist kein Gesetz zum Schutz der Tiere/Pflanzen. Das Ganze ist ein riesiger, aufgeblähter Verwaltungsapparat der, wie Andreas schon schrieb, den internationalen Handel regelt. Die haben mit Naturschutz und Arterhaltung nichts am Hut. Eigentlich sorgen die mit ihren Bestimmungen, dass die Arten noch eher ausgerottet werden.

Ich persönlich halte Naturentnahmen, in einem gemäßigten Rahmen, für völlig ok.
Man muss sich mal vor Augen führen wie viele Personen überhaupt bereit sind Naturentnahmen, für evtl. viel Geld, zu kaufen? Diese dann mühsam zu päppeln und nach zig Jahren zum Blühen zu kriegen? Davon gibt es in Deutschland wohl nur eine Hand voll.
Es ist doch sowieso paranoid, dass es verboten ist Naturentnahmen zu machen, wenn aber der Regenwald abgeholzt wird und dabei alle möglichen Epiphyten verbrannt werden, es strafbar ist diese zu retten. Völliger Humbug.
Die Sesselfurzer von der CITES haben keine Ahnung was ihre (schlechte) Gesetzgebung für Auswirkungen hat.

Des Weiteren bringen Naturentnahmen immer wieder frisches Genmaterial zu den seit Jahrzehnten durch Inzucht vermehrten Kulturen. Über diese Problematik habe ich mich letztes Jahr mit Herrn Junginger unterhalten. Er hat schon des öfteren Probleme, dass ganz viele Angraecoide aus ein und der selben Linie stammen und Bestäubungsversuche dadurch scheitern oder nur tauber Samen dabei rumkommt.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Charlemann am 13.Mär.10 um 20:45 Uhr
Angeblich soll es Händler geben die eine Erlaubnis haben Pflanzen vor Rodungen der Natur entnehmen zu dürfen. Das Widerspricht aber dem Naturschutzgesetz (Klingt komisch, ist aber so).
Das hat mir selber mal ein Händler gesagt (hörte sich auch sehr glaubwürdig an). Aber ich wusste damals schon das er mich angeflunkert hat.
Naturentnahmen sind grundsätzlich verboten.

Im Prinzip muss ich aber Phil vollkommen beipflichten.
Wenn zu einem gewissen Prozentsatz gewährleistet ist, das durch die Kultur bei einem Liebhaber oder Züchter die Art bei ihrem Überlebenskampf noch unterstützt wird, halte ich dies auch für angemessen.

Das soll jetzt nicht heissen, das alle in den Wald laufen und sämtliche Orchideen ausbuddeln weil sie dort falsch stehen.
 :tsts
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 13.Mär.10 um 21:10 Uhr
Naturentnahmen sind grundsätzlich verboten.

Das heist, sie sind ohne Genehmigung verboten.
In meinem Garten kann ich so viele Calypso ausgraben wie ich will. Wenn ich aber mit ihnen handeln will, muss ich bei den Behörden sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Genehmigung zu bekommen.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Charlemann am 13.Mär.10 um 21:14 Uhr
Naturentnahmen sind grundsätzlich verboten.

Das heist, sie sind ohne Genehmigung verboten.
In meinem Garten kann ich so viele Calypso ausgraben wie ich will. Wenn ich aber mit ihnen handeln will, muss ich bei den Behörden sehr viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Genehmigung zu bekommen.

Dein Garten zählt ja auch nicht zur Natur.
(Obwohl der ja natürlicher ist als manches Waldstück.)
Wenn Du nachweisen kannst, das Du sie in Deinem Garten vegetativ oder generativ vermehrt hast ist Deine Rechnung die Du ausstellst praktisch ein Cites-Papier.
Oder täusche ich mich da und Du musst vorher dafür Cites-Papier besorgen?
So genau weiß ich das ehrlich nicht.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 21:25 Uhr
Einmal die Entnahme aus der Natur, nationale Behörden.

Ist einleuchtend, schliesslich bestimmen ja auch die Länder darüber, ob z.B. Walfang erlaubt ist.


Eine CITES-Zwischenfrage: Theoretisch hätte ich mir für mein Phragmipedium besseae irgendeinen Beleg von der Gärtnerei ausstellen lassen sollen? Die Floristin hätte wahrscheinlich so  :pill gemacht.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Charlemann am 13.Mär.10 um 21:33 Uhr
Theoretisch hätte ich mir für mein Phragmipedium besseae irgendeinen Beleg von der Gärtnerei ausstellen lassen sollen? Die Floristin hätte wahrscheinlich so  :pill gemacht.

Die Rechnung sollte für Dich vollkommen ausreichen.
Das CITES-Rumgetue halte ich auch echt für überholt und überbürokratisch.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 21:34 Uhr
Ein Kassenzettel, auf dem "Zimmerpflanze" steht?
Unabhängig davon, was man von CITES hält, man braucht von jedem Paph und Phrag einen Herkunftsnachweis, wenn ich das richtig verstehe.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 13.Mär.10 um 21:40 Uhr
Die Rechnung sollte für Dich vollkommen ausreichen.
Das CITES-Rumgetue halte ich auch echt für überholt und überbürokratisch.

Joa, aber...

Frage ist nur:
Was passiert, wenn dich jemand beim Bundesamt für Naturschutz (oder wie auch immer das heißen mag) anzeigt?
Dann biste nämlich plötzlich nachweispflichtig.

Irgendwie nicht ganz ausgereift diese Cites- Geschichte, das hab ich mir schon öfter gedacht.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 21:59 Uhr
CITES ist für Tiere gedacht, Pflanzen hat man kurzerhand mit reingenommen.

Den guten Willen kann man anerkennen. Was aber ganz konkret dem Artenschutz nicht zuträglich ist, ist z.B. das Verbot der Einfuhr von Pflanzenteilen, das auch Samenkapseln betrifft. Hier könnte man viel für den Arterhalt tun, denn die Keimungsrate in natura ist ohnehin nicht sehr hoch.

EDIT: Wo ist denn das vorherige Posting hin?  :ka
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Peter am 13.Mär.10 um 22:09 Uhr
Um es mal klar zu stellen. CITES ist kein Gesetz zum Schutz der Tiere/Pflanzen. Das Ganze ist ein riesiger, aufgeblähter Verwaltungsapparat der, wie Andreas schon schrieb, den internationalen Handel regelt. Die haben mit Naturschutz und Arterhaltung nichts am Hut. Eigentlich sorgen die mit ihren Bestimmungen, dass die Arten noch eher ausgerottet werden.

Ich persönlich halte Naturentnahmen, in einem gemäßigten Rahmen, für völlig ok.
Man muss sich mal vor Augen führen wie viele Personen überhaupt bereit sind Naturentnahmen, für evtl. viel Geld, zu kaufen? Diese dann mühsam zu päppeln und nach zig Jahren zum Blühen zu kriegen? Davon gibt es in Deutschland wohl nur eine Hand voll.
Es ist doch sowieso paranoid, dass es verboten ist Naturentnahmen zu machen, wenn aber der Regenwald abgeholzt wird und dabei alle möglichen Epiphyten verbrannt werden, es strafbar ist diese zu retten. Völliger Humbug.
Die Sesselfurzer von der CITES haben keine Ahnung was ihre (schlechte) Gesetzgebung für Auswirkungen hat.

Des Weiteren bringen Naturentnahmen immer wieder frisches Genmaterial zu den seit Jahrzehnten durch Inzucht vermehrten Kulturen. Über diese Problematik habe ich mich letztes Jahr mit Herrn Junginger unterhalten. Er hat schon des öfteren Probleme, dass ganz viele Angraecoide aus ein und der selben Linie stammen und Bestäubungsversuche dadurch scheitern oder nur tauber Samen dabei rumkommt.

Hallo,
das ist schon abenteuerlich, klingt sehr einfach gestrickt, Teile von dem was du schreibst:
 
1.Wie viele Leute arbeiten in der CITES- Organisation? Wie kommst du darauf, dass das ein wie du es nennst "aufgeblähter Haufen " ist? Klingt dazu abwertend. Es stimmt einfach nicht, dass CITES mit Naturschutz "nichts am Hut hat". Dein letzter Satz im ersten Absatz ist absurd. Das kann ich nicht ernst nehmen. Wie  begründest du das? Ausrottung wird erst durch CITES möglich?

2. Auch ich hielte gesteuerte Naturentnahmen für sinnvoll. Theoretisch. Ich denke, das ist aber nicht praktikabel. Und ich denke, dass die sog. Sesselfurzer gute Arbeit machen.
Ich fände es ohnehin besser, wenn die Einfuhr von Arten in die EU generell verboten wäre. Analog den Regelungen, welche den Import von Wildformen bei Vögeln gestoppt haben. Das führt zu einem achtbareren Umgang mit den vorhandenen Arten. Das ist immer das Argument: genau so haben die Vogelzüchter aufgeheult.

Gruß
P.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Peter am 13.Mär.10 um 22:09 Uhr
CITES ist für Tiere gedacht, Pflanzen hat man kurzerhand mit reingenommen.

Den guten Willen kann man anerkennen. Was aber ganz konkret dem Artenschutz nicht zuträglich ist, ist z.B. das Verbot der Einfuhr von Pflanzenteilen, das auch Samenkapseln betrifft. Hier könnte man viel für den Arterhalt tun, denn die Keimungsrate in natura ist ohnehin nicht sehr hoch.

EDIT: Wo ist denn das vorherige Posting hin?  :ka

hab das gänzlich neu geschrieben.
Gruß
P.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 22:17 Uhr
hab das gänzlich neu geschrieben.
:thumb

Generell halte ich den CITES-Gedanken für ganz brauchbar, auch bei Pflanzen. Allerdings kann man Orchideen mit Rhinozeros-Hörnern nicht in eine Tüte stecken.

Aber wie sollte man es denn zur Zufriedenheit lösen? In der Praxis sind doch bei der Zollabfertigung ohnehin keine Beamten anwesend, die eine Hybride von einer Naturform von einer Wildentnahme usw. unterscheiden könnten?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 13.Mär.10 um 22:29 Uhr
Es ist doch völlig egal wie viele Verbote noch erlassen werden, das Spiel geht weiter. Dann wird das Zeug eben teurer und alles läuft unter der Hand.
So lange noch riesige Gebiete an Tropenwald jährlich gerodet werden, ist das ganze Verbot zum Handel mit diesen Arten, doch einfach nur lächerlich.
Demnächst wird es auch noch Verordnungen zum EU konformen urinieren geben.
Schönen Abend.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Martin am 13.Mär.10 um 23:14 Uhr
Bisher habe ich mich von Naturentnahmen noch fern gehalten. Irgendwie hatte ich da ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht weiß, woher es wirklich stammt. O.k., man kann sagen, bevor ein Waldstück gerodet wird, sollte man noch alles "Wertvolle" an Orchideen herausholen. Prinzipiell richtig, aber befürwortet man dann nicht auch noch die Abholzung?
Man weiß aber nicht, woher es wirklich stammt. Auf unzähligen Dia- und Beamervorträgen habe ich schon gesehen, wie in tropischen Ländern am Strassenrand Wildorchideen angeboten werden, die z.T. aus intakten und noch nicht abzuholzenden Wäldern stammen.

Das Ganze ist natürlich mehr ein moralisches Problem, denn dass auf die Natur dort sowieso keine Rücksicht genommen wird, ist klar.

Nachdenkliche Grüße
Martin
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 13.Mär.10 um 23:27 Uhr
Es ist doch völlig egal wie viele Verbote noch erlassen werden, das Spiel geht weiter. Dann wird das Zeug eben teurer und alles läuft unter der Hand.
So lange noch riesige Gebiete an Tropenwald jährlich gerodet werden, ist das ganze Verbot zum Handel mit diesen Arten, doch einfach nur lächerlich.

Ich gebe Manne vollkommen Recht!
Es sind nicht die Sammler schuld, dass der Bestand einiger Orchideenarten stark gefährdet ist. So groß ist die Nachfrage von Naturformen IMHO nicht.
Die einzige Möglichkeit die Pflanzen zu schützen ist der Erhalt der Biotope.
Und weitere Einfuhrverbote bzw eine Verschärfung derer macht doch nur den Schwarzmarkt größer.

Und wie Moli schon sagte: CITES wurden für Tiere gemacht und das ist auch sinnvoll.
Nur bleibt mir das Sinn, z.B. Samenkapseln in diese Verordnungen einzubeziehen verschlossen.

Ich kenne die Geschichte der Cites- Regelungen nur aus dem "Orchideenfieber". Sicherlich ist diese Darstellung nicht zu 100% objektiv, hinterlässt aber schon ein "Geschmäckle", wie man hier sagt.

Die damaligen Verantwortlichen haben sich nach der Darstellung in diesem Buch nicht um sehr viel Transparenz bemüht, als die Orchideen in diese Regelungen einbezogen wurden und es bleibt der Verdacht, dass da teilweise sehr willkürlich gehandelt wurde.

Meine Meinung: Allein die CITES tragen nicht zum Erhalt der Arten bei, was Orchideen betrifft. So wie das im Moment gehandhabt wird, ist das zu einem Großteil unnötiger Verwaltungsaufwand. Die Gelder könnte man sehr viel sinnvoller in den Erhalt dieser Pflanzen investieren.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 13.Mär.10 um 23:39 Uhr
O.k., man kann sagen, bevor ein Waldstück gerodet wird, sollte man noch alles "Wertvolle" an Orchideen herausholen. Prinzipiell richtig, aber befürwortet man dann nicht auch noch die Abholzung?

Davon mal abgesehen, woher soll man denn wissen, ob die Pflanzen überhaupt aus Rodung stammen?
Wie entscheiden denn die Länder bei den Erlaubnissen zur Entnahme?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 00:06 Uhr
Wie entscheiden denn die Länder bei den Erlaubnissen zur Entnahme?

Ein souveräner Staat entscheidet nach eigenem Ermessen. Das Einfuhrland entscheidet auch nach eigenem Ermessen, ob es die Entscheidung des Ausfuhrstaates für angemessen hält.

So darf man z.B. in einigen afrikanischen Staates bestimmtes Wild erlegen, das man nicht nach Deutschland einführen darf.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 14.Mär.10 um 00:10 Uhr
Meine Meinung: Allein die CITES tragen nicht zum Erhalt der Arten bei, was Orchideen betrifft. So wie das im Moment gehandhabt wird, ist das zu einem Großteil unnötiger Verwaltungsaufwand. Die Gelder könnte man sehr viel sinnvoller in den Erhalt dieser Pflanzen investieren.

Besonders schön wäre es - wie es der Autor am Anfang von "Orchideenfieber" geplant hatte - wenn arme Länder davon profitieren könnten, indem sie Pflanzen aus Rodungen kultivieren und vermehren können.  :yes Vermutlich reine Utopie bei dem Bürokratenkram.

Andererseits muss gewährleistet sein, dass man nichts in andere Biotope überführt, um dort ansässige Arten nicht zu verdrängen.

Ein souveräner Staat entscheidet nach eigenem Ermessen. Das Einfuhrland entscheidet auch nach eigenem Ermessen, ob es die Entscheidung des Ausfuhrstaates für angemessen hält.
Ist aber schon schade, wenn ein Staat seinen Reichtum nicht erkennt.


Jetzt bin ich wieder bei den Tieren: den spanischen Hund habe ich auch nicht aus einer Tötungsstation geholt, ansonsten hätte ich den Vergasern Geld gegeben.

Was bleibt uns? Augen auf beim Möbelkauf?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 00:22 Uhr
Ist aber schon schade, wenn ein Staat seinen Reichtum nicht erkennt.

den eigenen Reichtum zu erkennen ist die eine Sache. Die Entscheidung, ihn zu verkaufen, damit die Bürger Geld in die Finger bekommen ist eine andere Überlegung.

Gerade jetzt läuft eine Diskussion darüber, ob 2 afrikanische Staaten Elfenbein international verkaufen dürfen, das sie Wilderen in ihrem Lande abgenommen haben oder ob es besser ist, das Elfenbein zu verbrennen. Die Staaten mit dem Elfenbein verstehen die Welt nicht mehr, die von ihnen fordert, das Elfenbein zu verbrennen.

 
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 00:30 Uhr
Eine kleine Disa aus Südafrika (Disa bracteata) ist nach Australien ausgebüchst und besiedelt im Südwesten schon etwa 4 Mio. km².
Die australischen Orchideenfreunde sind aufgefordert, diese Pflanze totzutreten, wenn sie sie sehen. In Südafrika, ist es natürlich verboten, die Pflanzen auszugraben. Die Einfuhr nach Deutschland ist natürlich auch verboten.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 14.Mär.10 um 00:32 Uhr
Gerade jetzt läuft eine Diskussion darüber, ob 2 afrikanische Staaten Elfenbein international verkaufen dürfen, das sie Wilderen in ihrem Lande abgenommen haben oder ob es besser ist, das Elfenbein zu verbrennen. Die Staaten mit dem Elfenbein verstehen die Welt nicht mehr, die von ihnen fordert, das Elfenbein zu verbrennen.

Ist es nicht so, dass teilweise die Elefantenschützer selbst die Stosszähne abschneiden, um Abschüsse zu verhindern? Sprichst Du davon?

Meiner Meinung nach kann da unsereins kaum was machen, außer zum Ausdruck zu bringen, dass sowas nicht salonfähig ist, also nicht kaufen. Aber das Zauberwort heisst Emanzipation.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 00:41 Uhr
Ist es nicht so, dass teilweise die Elefantenschützer selbst die Stosszähne abschneiden, um Abschüsse zu verhindern? Sprichst Du davon?

ja, von diesen Fällen habe ich auch gehört. Aber der Abschuss der Elefanten ist meist kein Problem mehr, da es inzwischen wieder sehr viele und teils zu viele gibt.

Die jetzige Verkaufsaktion soll sich aber auf illegal erbeutetes Elfenbein beziehen.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 00:45 Uhr
Was bleibt uns? Augen auf beim Möbelkauf?

Das muss wohl jeder für sich selber entscheiden.
Ich halte es so:
Wenn ich die Wahl habe, kaufe ich Pflanzen aus Nachzuchten und lasse die Naturentnahmen stehen.
Die wachsen auf der Fensterbank IMHO sowieso besser und ich habe kein Interesse großartig zu kreuzen.
Pflanzen, die ich hier unter meinen Bedingungen nicht kultivieren kann, werden abgegeben, bevor sie totgepflegt sind.

Elfenbein

Nicht kaufen, dann werden auch keine Elefanten mehr abgeschlachtet.

Eine kleine Disa aus Südafrika (Disa bracteata) ist nach Australien ausgebüchst und besiedelt im Südwesten schon etwa 4 Mio. km².
Die australischen Orchideenfreunde sind aufgefordert, diese Pflanze totzutreten, wenn sie sie sehen. In Südafrika, ist es natürlich verboten, die Pflanzen auszugraben. Die Einfuhr nach Deutschland ist natürlich auch verboten.

Ein Glück haben wir die CITES- Regelungen, welche die Arten vor dem Aussterben schützen.  :pill

Was für ein Humbug.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 14.Mär.10 um 00:51 Uhr
Ist es nicht so, dass teilweise die Elefantenschützer selbst die Stosszähne abschneiden, um Abschüsse zu verhindern? Sprichst Du davon?

ja, von diesen Fällen habe ich auch gehört. Aber der Abschuss der Elefanten ist meist kein Problem mehr, da es inzwischen wieder sehr viele und teils zu viele gibt.

Die jetzige Verkaufsaktion soll sich aber auf illegal erbeutetes Elfenbein beziehen.

Stimmt, ich erinnere mich an eine harmlose Tierdoku, wo auf ein mal Elefanten vom Hubschrauber aus abgeschossen werden, weil zu viele.  :cry

Die jetzige Verkaufsaktion soll sich aber auf illegal erbeutetes Elfenbein beziehen.

Persönliche Meinung?
Dagegen. Nur weil sich das einer leisten kann, muss er es nicht haben. Soll er sich doch Wasserhähne vergolden lassen.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 00:55 Uhr
Zu viele Elefanten  :pill
Was passiert denn, wenn es zu viele Elefanten gibt?
Es gibt auch zu viele Menschen auf diesem Erdball, werden die deswegen abgeschossen?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Lisa. am 14.Mär.10 um 01:01 Uhr
Was passiert denn, wenn es zu viele Elefanten gibt?
Es gibt auch zu viele Menschen auf diesem Erdball, werden die deswegen abgeschossen?
Totgetrampelt, zurecht.

Ich halte es so:
Wenn ich die Wahl habe, kaufe ich Pflanzen aus Nachzuchten und lasse die Naturentnahmen stehen.

 :yes
Woher weiss ich denn, dass die Naturentnahme als solche gekennzeichnet ist?

Ich kaufe das, was mir gefällt, es muss nichts Besonderes sein. Und wenn nichts anderes dran steht, gehe ich von einer Nachzucht aus.
Werden denn auch viele Naturentnahmen verkauft, die nicht als solche gekennzeichnet sind?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 09:23 Uhr
Um es mal klar zu stellen. CITES ist kein Gesetz zum Schutz der Tiere/Pflanzen. Das Ganze ist ein riesiger, aufgeblähter Verwaltungsapparat der, wie Andreas schon schrieb, den internationalen Handel regelt. Die haben mit Naturschutz und Arterhaltung nichts am Hut. Eigentlich sorgen die mit ihren Bestimmungen, dass die Arten noch eher ausgerottet werden.

Ich persönlich halte Naturentnahmen, in einem gemäßigten Rahmen, für völlig ok.
Man muss sich mal vor Augen führen wie viele Personen überhaupt bereit sind Naturentnahmen, für evtl. viel Geld, zu kaufen? Diese dann mühsam zu päppeln und nach zig Jahren zum Blühen zu kriegen? Davon gibt es in Deutschland wohl nur eine Hand voll.
Es ist doch sowieso paranoid, dass es verboten ist Naturentnahmen zu machen, wenn aber der Regenwald abgeholzt wird und dabei alle möglichen Epiphyten verbrannt werden, es strafbar ist diese zu retten. Völliger Humbug.
Die Sesselfurzer von der CITES haben keine Ahnung was ihre (schlechte) Gesetzgebung für Auswirkungen hat.

Des Weiteren bringen Naturentnahmen immer wieder frisches Genmaterial zu den seit Jahrzehnten durch Inzucht vermehrten Kulturen. Über diese Problematik habe ich mich letztes Jahr mit Herrn Junginger unterhalten. Er hat schon des öfteren Probleme, dass ganz viele Angraecoide aus ein und der selben Linie stammen und Bestäubungsversuche dadurch scheitern oder nur tauber Samen dabei rumkommt.


Dieser schwarzer markierter Satz weißt jeder , der mit Pflanzen beschäftigt. Dr. Cribb weißt leider nicht, deswegen die CITES Gesetzen (unter seine Federführung)  unpraktisch und unverständlich ist.
 
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 09:28 Uhr
Zitat
Jetzt bin ich wieder bei den Tieren: den spanischen Hund habe ich auch nicht aus einer Tötungsstation geholt, ansonsten hätte ich den Vergasern Geld gegeben.

Die Chineser essen Hund und wird diskriminieren.

Wo ist die Morale der Geschichte ?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 09:44 Uhr
Woher weiss ich denn, dass die Naturentnahme als solche gekennzeichnet ist?

Nachfragen ;-)

Ich kaufe viel in Schwerte, da bekommt man mit, was aus der Flasche kommt und was nicht.
Frau Elsner sagt auch immer dazu, ob es sich um Sämlinge, Meristeme oder Naturentnahmen handelt.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 10:08 Uhr
Woher weiss ich denn, dass die Naturentnahme als solche gekennzeichnet ist?

Nachfragen ;-)

Ich kaufe viel in Schwerte, da bekommt man mit, was aus der Flasche kommt und was nicht.
Frau Elsner sagt auch immer dazu, ob es sich um Sämlinge, Meristeme oder Naturentnahmen handelt.

Hallo Alexa,

kommt daraus an was für Orchideen (pah., nopsen ...usw..) du kaufst
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Charlemann am 14.Mär.10 um 10:14 Uhr
Die einzige Möglichkeit die Pflanzen zu schützen ist der Erhalt der Biotope.

Dafür plädiere ich schon seit Jahren!
Aber beim BUND oder anderen Organisationen stosse ich dabei auf taube Ohren.
Und das trotz Bildbelegen. Ich finde das traurig.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: GuRu am 14.Mär.10 um 10:32 Uhr
CITES hat noch keine Pflanze oder Tier vor dem Aussterben gerettet, es trägt
auch nicht zum Erhalt der Lebensräume/Biotope bei.

CITES regelt allein den Handel mit Individuen oder Teilen davon zwischen den Staaten oder Staatengruppen (EU).
Dabei kommt es teilweise zu aberwitzigen Konstellationen, die aus Sicht der Behörden völlig konform mit den Bestimmungen,  mit gesundem Menschenverstand aber nicht nachzuvollziehen sind.

Die einzige Möglichkeit die Pflanzen zu schützen ist der Erhalt der Biotope.

Das ist der einzig gangbare Weg.
Nicht alle Länder sind aber heute schon so weit, um diesen Weg zu gehen. Sie sehen darin in vielen Fällen ein Hindernis für ihre eigene wirtschaftliche oder sonstige Entwicklung und zeigen mit Fingern auf die Industrieländer, die die ihnen die Zerstörung der Natur ja selbst vorgemacht haben.
Bei uns in Deutschland liegt das nur Jahrhunderte zurück. Oder will vielleicht jemand behaupten unsere deutsche Landschaft sei so natürlich entstanden???
Gerade Orchideen haben in ihren Heimatländern nach wie vor eine geringe Lobby. Die Mehrzahl der Bevölkerung sieht in ihnen Handelsobjekte oder 'Parasitos'.
Beste Grüße, rudolf
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 14.Mär.10 um 11:29 Uhr
@Peter
Erkläre mir mal wieso alle Orchideen, egal ob Anhang A oder B, durch CITES geschützt sind? Kennst du die Bestände? Weißt du ob sie wrklich gefärdet sind? Wie viele Orchideen werden denn überhaupt illegal gehandelt? Gibt es da zuverlässige Zahlen und keine Schätzungen die prozentual vom legalen Handel abhängen?
Wieso darf ich keinen Herbarbeleg quer über die internationalen Grenzen schicken? Das Ding ist doch tot!! Und es ist trotzdem verboten.
Diese Regelungen sind zum Teil haarbsträubend und behindern Wissenschaft und Handel.
Bei CITES sitzen keine Bilogen oder Taxonomen, sondern Anwälte und normale Behördenangestellte die keine Ahnung von der Materie haben.
CITES kann, meiner Meinung nach, sinnvoll für Tiere sein, aber nicht für Pflanzen die eine sehr kurze Generationsfolge besitzen und bei denen aus einer Samenkapsel mehrere Tausend Nachkommen erzeugt werden können.

Peter, versuch mal ein Aus/Einfuhr-CITES zu bekommen und hol dir die Pflanzen dann noch beim Zoll ab. Du machst es einmal und dann nie wieder.

Ich glaube nicht, dass die Orchideen durch Sammlungen ausgerottet werden, sondern, wie schon gesagt, durch die Zerstörung der Biotope. Und darum kümmert sich CITES nicht!
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 14.Mär.10 um 11:32 Uhr
@Moli

Mittlerweile ist es, soweit ich weiß, erlaubt Samenkapseln ohne CITES zu verschicken.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 11:36 Uhr

Wieso darf ich keinen Herbarbeleg quer über die internationalen Grenzen schicken? Das Ding ist doch tot!! Und es ist trotzdem verboten.

Stimmt, sogar Herbarbelege fallen in die CITES :lol2
Was für ein Blödsinn!

@Moli

Mittlerweile ist es, soweit ich weiß, erlaubt Samenkapseln ohne CITES zu verschicken.

Nur bei Vanille glaub ich.
Ansonsten ist allein der Samen ohne Kapsel erlaubt, soviel ich weiß.  :pill
Muss ich nochmal nachgucken.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 11:47 Uhr
Gehst mal im Kew Gardens , da stehen alle Orchideen in Anhang A oder B (durch CITES geschützt sind)  :-D
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 11:59 Uhr
Soviel ich weiß, sind die aber nicht unbedingt für die Öffentlichkeit zugänglich.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 12:11 Uhr
Soviel ich weiß, sind die aber nicht unbedingt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Wenn diese für die Öffentlichkeit zugänglich wäre, dann müssen bestimmte Personen den Hut abnehmen und das Ansehen vom Kew Gardens wird gekrazt.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 14.Mär.10 um 14:15 Uhr
Vor Jahren hat mir einmal ein Insider erzählt, das am botanischen Teil der Cites-Vorschriften, die botanischen Gärten federführend mitgewirkt haben. Es ging ihnen aber damals wohl nur darum exklusive Pflanzenbestände zu haben und diese regelmäßig aus Beschlagnahmungen auf zu füllen. Diese Regelungen sind also durchaus nicht in ehrenwerter Absicht entstanden.
Das Samen von dieser Regelung mit erfasst werden, ist sachlich und fachlich natürlich nicht zu verstehen. Wenn obige Zeilen aber einbezieht, wird klar warum.
Aber immer unter der Prämisse, das Cites nur für den Handel nötig sind.

Phil, hast Du eine Quelle nach welcher Rechtsnorm man jetzt Samen einführen darf.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 14.Mär.10 um 14:27 Uhr
Hier kann man die Appendices einsehen:
http://www.cites.org/eng/app/appendices.shtml

Dann bei den Fußnoten 7 und #1. Am wichtigsten ist aber #1.

Zitat
All parts and derivatives, except:
a) seeds, spores and pollen (including pollinia);
b) seedling or tissue cultures obtained in vitro, in solid or liquid media, transported in sterile containers;
c) cut flowers of artificially propagated plants; and
d) fruits and parts and derivatives thereof of artificially propagated plants of the genus Vanilla.

Also sind Samen erlaubt, Kapseln nicht, die nur bei Vanilla. Das hat Alexa richtig geschrieben.

Das geilste ist ja "All parts and derivatives", das beinhaltet auch Herbarbelege. Schwachsinn.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ralla am 14.Mär.10 um 14:33 Uhr
Wenn man es genau nimmt, sind auch seeds parts of fruits. Da widerspricht sich das Gesetzt selber....
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 15:11 Uhr
Wenn man es genau nimmt, sind auch seeds parts of fruits. Da widerspricht sich das Gesetzt selber....

nein, wenn die Samen rausfallen, sind sie getrennt und nicht mehr Parts of the Fruit.
Deshalb auch der Unterschied zwischen Kapseln und Samen.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ralla am 14.Mär.10 um 15:15 Uhr
Wie will ich denn nachweisen, dass die Samen von alleine herausgefallen sind und nicht doch jemand nachgeholfen hat?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 15:19 Uhr
Wie will ich denn nachweisen, dass die Samen von alleine herausgefallen sind und nicht doch jemand nachgeholfen hat?

Du musst Herr Philipp als Zeuge haben  :-D
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 14.Mär.10 um 15:45 Uhr
Wie will ich denn nachweisen, dass die Samen von alleine herausgefallen sind und nicht doch jemand nachgeholfen hat?

Brauchst Du garnicht nachzuweisen, denn das ist unerheblich, wenn sie draussen sind. Dann sind sie getrennte Pflanzenteile.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: AndiL am 14.Mär.10 um 16:10 Uhr

Dann bei den Fußnoten 7 und #1. Am wichtigsten ist aber #1.

Zitat
All parts and derivatives, except:
a) seeds, spores and pollen (including pollinia);
b) seedling or tissue cultures obtained in vitro, in solid or liquid media, transported in sterile containers;
c) cut flowers of artificially propagated plants; and
d) fruits and parts and derivatives thereof of artificially propagated plants of the genus Vanilla.

Also sind Samen erlaubt, Kapseln nicht, die nur bei Vanilla. Das hat Alexa richtig geschrieben.

Das geilste ist ja "All parts and derivatives", das beinhaltet auch Herbarbelege. Schwachsinn.

verstehe ich das richtig?:

zu a) ich darf Samen transportieren? Es ist egal woher er stammt?

zu b) tissue cultures = Gewebeprobe/kultur kann ich mitnehmen, also auch Mersitemgewebe?

Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 14.Mär.10 um 19:17 Uhr
Man muss auch noch einmal darauf hin weisen, Cites braucht man nur für den Handel.
Wenn ich rein privat, mir irgendwo in den Tropen eine Pflanze am Strassenrand kaufe, so ist dies für meine private Verfügung. Eine Cites brauche ich dann nicht. Eine Einfuhrgenehmigung auch nicht.
Wenn die Pflanze im Herkunftsland irgendwie geschützt ist, so muss man sehen wie dies geregelt ist.
In Deutschland muss ich nur ein phytosanitäres Zeugnis vorlegen. Zoll fiele nur an, wenn die persönliche Freibetragsgrenze überschritten wird.

Interessant wird dies immer, wenn neue Arten entdeckt werden. Da diese ja noch nicht unter Schutz stehen kann.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: GuRu am 14.Mär.10 um 19:26 Uhr
Man muss auch noch einmal darauf hin weisen, Cites braucht man nur für den Handel.
Wenn ich rein privat, mir irgendwo in den Tropen eine Pflanze am Strassenrand kaufe, so ist dies für meine private Verfügung. Eine Cites brauche ich dann nicht. Eine Einfuhrgenehmigung auch nicht.
Wenn die Pflanze im Herkunftsland irgendwie geschützt ist, so muss man sehen wie dies geregelt ist.
In Deutschland muss ich nur ein phytosanitäres Zeugnis vorlegen. Zoll fiele nur an, wenn die persönliche Freibetragsgrenze überschritten wird.

Interessant wird dies immer, wenn neue Arten entdeckt werden. Da diese ja noch nicht unter Schutz stehen kann.
Manne, das gilt nur für Allerweltspflanzen, nicht für Pflanzen die in den Anhängen zum Washingtoner Artenschutzabkommen gelistet sind.
http://de.wikipedia.org/wiki/Washingtoner_Artenschutz%C3%BCbereinkommen
Beste Grüße, rudolf
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 14.Mär.10 um 19:38 Uhr
Aber nur, wenn es ein Haltungs- oder Besitzverbot gibt. Was ich bei Pflanzen bisher noch nicht hatte.
Bei neuen Arten fällt das sowiso aus. Was man bisher nicht kannte, kann auch nicht unter Schutz stehen.
Was glaubt ihr, warum man das C. sutropicum nach der Entdeckung, gleich zwei mal als neue Art beschrieben hat. :whistle :whistle :whistle
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Alexa am 14.Mär.10 um 19:44 Uhr
Das bedeutet, dass ich in den Tropen am Strassenrand eine Orchi kaufen kann und ohne Probleme durch den Zoll bekomme?
Das kann ich jetzt gerade nicht ganz glauben.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: GuRu am 14.Mär.10 um 19:54 Uhr
Aber nur, wenn es ein Haltungs- oder Besitzverbot gibt. Was ich bei Pflanzen bisher noch nicht hatte.
Bei neuen Arten fällt das sowiso aus. Was man bisher nicht kannte, kann auch nicht unter Schutz stehen.
Was glaubt ihr, warum man das C. sutropicum nach der Entdeckung, gleich zwei mal als neue Art beschrieben hat. :whistle :whistle :whistle
Da bist Du aber gehörig auf dem Holzweg, Manne.
Lies Dir die Geschichte des Phragmipedium kovachii durch!!
http://en.wikipedia.org/wiki/Phragmipedium_kovachii
Beste Grüße, rudolf
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: pierre am 14.Mär.10 um 20:05 Uhr
Das bedeutet, dass ich in den Tropen am Strassenrand eine Orchi kaufen kann und ohne Probleme durch den Zoll bekomme?
Das kann ich jetzt gerade nicht ganz glauben.

Alexa ,

na klar du bezahlst beim Zoll Strafegebühr, dein Orchi wird nach Kew zur  Indentifikation geschickt.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ruediger am 14.Mär.10 um 20:13 Uhr
Zu viele Elefanten  :pill
Was passiert denn, wenn es zu viele Elefanten gibt?
Es gibt auch zu viele Menschen auf diesem Erdball, werden die deswegen abgeschossen?

Das ist das Grundübel der Welt, Überbevölkerung und exzessive Gier einiger Politiker und Unternehmer.
Man müßte nur Wenige abschießen, das wäre schon effektiv.  ;-) :whistle
Das zerstört die Habitate und damit die Tier und Pflanzenwelt. Also damit beginnt wirksamer Artenschutz. grins
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ruediger am 14.Mär.10 um 20:17 Uhr
@Moli

Mittlerweile ist es, soweit ich weiß, erlaubt Samenkapseln ohne CITES zu verschicken.

Ich dachte für Flaschen braucht man Cites? :ka Für Kapseln nicht?
Im Prinzip affig, weil dadurch der Wildbestant nicht gefärdet wird, nur der Handel erschwert.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 14.Mär.10 um 20:33 Uhr

Da bist Du aber gehörig auf dem Holzweg, Manne.
Lies Dir die Geschichte des Phragmipedium kovachii durch!!
http://en.wikipedia.org/wiki/Phragmipedium_kovachii
Beste Grüße, rudolf

Richtig Rudolf, hier war die ganze Gattung unter Schutz. Die Jungs hätten eben gleich erst mal eine neue Gattung beschreiben müssen. Zu kurz gesprungen. Bis die dann unter den Nomenklaturisten geklärt haben, was da was ist, sind die meisten verstorben.
Andererseits, frag mal einen Kenner was in Kolumbien eine Cites kostet (mit Bakschisch). Kleinkram. Kriegt man dort für was immer Du möchtest.
Die Realität in der weiten Welt ist etwas anders, als man sich das in deutschen Behörden vorstellt.
Na ja, ich habe keine Arten, wo ich da mit mischen müsste.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 14.Mär.10 um 22:42 Uhr
@Manne

Jede Orchideenart die beschrieben wird fällt sofort unter das Waschingtoner Artenschutzabkommen, denn die gesamte Familie steht da drin! Die meisten Sachen unter Anhang B und einige halt unter Anhang A.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 14.Mär.10 um 22:55 Uhr
Unter Anhang B ist doch harmlos. Es gibt da Leute, die importieren unter dem Namen von alt Bekanntem und bringen die neuen Dinger dann als Zuchtmutation.
Da geschehen Dinge die glaubt man kaum. Ein übler Dschungel.

Hätte übrigens der Amerikaner sich nicht mit der Neubeschreibung wichtig machen wollen, wäre gar nichts passiert.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Phil am 14.Mär.10 um 23:06 Uhr
Ich dachte für Flaschen braucht man Cites?

Nein braucht man nicht. Nur ein Gesundheitszeugnis.

Zitat
b) seedling or tissue cultures obtained in vitro, in solid or liquid media, transported in sterile containers;
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Ruediger am 15.Mär.10 um 00:11 Uhr
Danke.

Wobei ein Gesundheitszeugnis für sterile Jungpflanzen auch lustig ist. :pill
Der Sinn erschließt sich mir da nicht. Viren?
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Berthold am 15.Mär.10 um 00:26 Uhr
Danke.

Wobei ein Gesundheitszeugnis für sterile Jungpflanzen auch lustig ist. :pill
Der Sinn erschließt sich mir da nicht. Viren?


Das Gesundheitszeugnis soll bestätigen, dass die Pflanzen steril sind.
Bei den symbiotisch gezogenen Sämlingen sind die Pflanzen natürlich verpilzt aber die Pilze sieht man oft von aussen nicht.

So ein Glas mit symbiotisch gezogenen südafrikanischen oder südamerikanischen Erdorchideen hätte ich auch sehr gern. Die Pflanzen würde ich wegschmeissen.
Titel: Re: Naturentnahmen?
Beitrag von: Manne am 15.Mär.10 um 08:04 Uhr
Na wollen wir es mal so sagen, die jetzigen Artenschutzregelungen sind zwar bürokratisch und manchmal einfach Unsinn aber man kann sich darauf einstellen. Da Samen ausgenommen ist, kann man eigentlich mit etwas Geduld zu allen Arten kommen.
Von einer Neuregelung würde ich sogar abraten. Auf das bürokratische Monstrum, welches dann entstünde, sollten wir eher verzichten.