Ein kurzer botanischer Überblick über einen total verregneten Urlaub in den Bergen Montenegros Ende Juni/Anfang Juli 2010.
Mit Landschaftsbildern kann ich erst dienen, wenn ich noch mal da war. Atemberaubende Schluchten, weitläufige Hochplateaus, schroffe Gebirge, ...
Im Reiseführer stand, man kommt mit dem Auto überall hin, nur nicht mit jedem Auto.
Recht haben sie, ich habe in keiner Gegend Europas solche Herausforderungen erlebt. Und nicht jede Teerstraße, laut Karte zumindest, ist ohne Allrad befahrbar. Wer es nicht glaubt der fahre mal über den Orjen oder passiert die Biogradska Gora von Ost nach West. Er würde wahrscheinlich von Westen her schon umkehren und die "Highlights" weiter östlich verpassen.
Aber das bezieht sich nur auf Nebenstraßen im Gebirge. Der Rest des Landes ist problemlos zu befahren. Allerdings standen die interessanten Pflanzen im Gebirge
Zitat von: sokol am 28.Jul.10 um 21:55 Uhr
ich habe in keiner Gegend Europas solche Herausforderungen erlebt.
Stefan, Du hättest zuerst nach Albanien fahre sollen zwecks Abhärtung
http://www.orchideenkultur.net/index.php?topic=2129.0
Wie war es denn mit Minenfeldern? In Kroatien sind die schönsten Orchideenstandorte Minenfelder, das erhöht den Reiz erheblich.
Was sind denn das für tolle Lilien? Ich dachte dort gibt es nur Krainer-Lilien in Unterarten.
Zitat von: Berthold am 28.Jul.10 um 22:51 Uhr
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Was sind denn das für tolle Lilien? Ich dachte dort gibt es nur Krainer-Lilien in Unterarten.
z. B.
Lilium albanicumhttp://www.the-genus-lilium.com/albanicum.htm
Schönen Gruß
Peter
Zitat von: Postpiet am 28.Jul.10 um 23:10 Uhr
Zitat von: Berthold am 28.Jul.10 um 22:51 Uhr
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Was sind denn das für tolle Lilien? Ich dachte dort gibt es nur Krainer-Lilien in Unterarten.
z. B. Lilium albanicum
http://www.the-genus-lilium.com/albanicum.htm
Schönen Gruß
Peter
Peter, das ist aber wohl eher L. bosniacum oder jankae. Albanicum hat einfarbige Blütenblätter. Aber Stefan ist da Spezilist, er hat ja sogar blühende Lilium rhodopaeum.
Zitat von: Berthold am 28.Jul.10 um 23:36 Uhr
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das ist aber wohl eher L. bosniacum oder jankae. Albanicum hat einfarbige Blütenblätter.
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Berthold,
wo Du Recht hast, hast Du Recht ...
Schönen Gruß
Peter
Erst mal zu den Minenfelder, das war ja das Entspannte dort. In Montenegro wurde nicht gekämpft und es gibt da meines Wissens auch kaum Minen. In den unmittelbaren Grenzbereichen wäre ich vorsichtig, da waren wir aber fast nicht. Am Cakor-Pass hat uns die Polizei das Gelände als unbedenklich ausgewiesen.
In Kroatien war ich immer mit dem aktuellen Minenplan unterwegs und mein kroatischer Freund hat sich im Zweifel vor Ort erkundigt, wenn er mich begleitet hat.
Vielleicht kann man es umgekehrt sehen Berthold, es war die Abhärtung für Albanien, wann immer auch wir da hin fahren werden. Ich habe deinen Bericht schon sehr interessiert durchgelesen.
Mich hat im ersten Schritt interessiert, was noch in Montenegro vorkommt, was in Griechenland derzeit unbekannt (Traunsteinera globosa) oder aktuell verschollen (Cypripedium calceolus, Pseudorchis albida) ist. Meine griechischen Freunde sind jetzt hochmotiviert, diese Arten zu finden. Epipactis purpurata haben sie am letzten Wochenende nach Jahrzehnten wieder entdeckt und Epopactis neglecta haben sie sogar völlig neu entdeckt.
Epipactis muelleri konnten wir bereits in Montenegro nicht mehr finden.
Bei der Lilie kamen wir auch ins Grübeln. Wir hatten kurz zuvor die gelb blühenden L. carniolicum in Mittelkroatien besucht. Die hatten immer behaarte Blattnerven. Die Pflanzen Montenegros sehen von der Blüte wie L. jankae aus, die Blattnerven und Blattränder sind aber glatt wie bei L. albanicum. :ka
Ich führe sie jetzt mal als L. jankae.
Ich stelle mal die Behauptung auf, dass alle 4 Taxa (albanicum, bosniacum, carniolicum, jankae) sehr nah miteinander verwandt sind und es auch noch beliebige Übergangsformen gibt. Dann kommt man nämlich mit den wenigen Unterschieden, die es gibt ganz schön ins Schleudern.
L. albanicum scheint durch den Untergrund, nämlich immer über Serpentin etwas separiert zu sein, L. carniolicum steht immer über Kalk und bei den anderen beiden weis ich nicht, wie sie stehen (in Bosnien, bzw. in Bulgarien).
Die montenegrinischen Pflanzen stehen jedenfalls über Kalk, was nicht zu L. albanicum passt.
Nächstes Jahr will ich mir mal die griechischen Pflanzen anschauen, die als L. jankae geführt werden, die sehen aber wieder anders aus. Allerdings weis ich bisher nur das Gebirge, in dem sie vorkommen sollen. Aber wir hatten auch nur eine Angabe mit 10 L. jankae und gefunden haben wir sie dann selber, weil wir keine Lust hatten stundenlang im Regen durch das Durmitor-Gebirge zu laufen.
Wenn Interesse besteht stelle ich noch ein paar Bilder am Sonntag rein, bis dahin bin ich offline.
Die Himantoglossum könnte H. calcaratum sein. Hast Du da mehr Bilder?
Zitat von: sokol am 29.Jul.10 um 07:32 Uhr
Wenn Interesse besteht stelle ich noch ein paar Bilder am Sonntag rein, bis dahin bin ich offline.
ja, auf jeden Fall, Stefan. Interessant ist auch die Riemenzunge mit dem langen Sporn, wie Manfred schon andeutet.
Mache ich am Sonntag, die Riemenzunge ist calcaratum.
Zuerst mal ein paar Bilder aus dem Durmitor-Gebirge. Am zweiten Tag fanden wir die meisten Pflanzen, am vorletzten fotografierten wir sie dann.
Links unten ein Biotop von Nigritella rhellicani, rechts unten von Dactylorhiza cordigera und Gymnadenia conopsea.
Am dritten Tag waren wir in Tälern im Osten unterwegs, nachmittags sahen wir pünktlich bei der Riemenzunge gelegentlich die Sonne.
Zu sehen sind Himantoglossum caprinum subsp. calcaratum, Dactylorhiza saccifera und Ophrys oestrifera s.l.
Links oben ein Biotop der Riemenzunge, fast ausschließlich Straßenböschungen.
Die Tage 4 und 5 verbrachten wir im Südosten des Landes und hatten fast die ganze Zeit Regen. Mittags nutzten wir die kurzen Regenpausen zum Fotografieren.
Gymnadenia frivaldii
Dactylorhiza cordigera
Pseudorchis albida
Traunsteinera globosa
Orchis mascula subsp. signifera
Wulfenia carinthiaca subsp. blecicii
Aconitum lycoctonum subsp. neapolitanum
Pedicularis
Links oben sieht man einen der niedrigeren Berge (ca. 2000m), die großen waren immer in Wolken.
Am sechsten Tag waren wir schon wieder im Durmitor, in den Biogradska Gora dazwischen hat es nur geregnet, da habe ich überhaupt keine Bilder. Allerdings fanden wir auch nichts Neues.
Zum Abschluss noch die Lilien von verschiedenen Stellen im Durmitor und aus dem Südosten. Sie standen immer über Kalk, mal mit Orchis pallens, mal mit Nigritella, an einer Stelle mit Pseudorchis, also oberflächlich versauert und zum Abschluss fanden wir sie in relativ fetten Wiesen mit Veratrum und Traunsteinera.
Sie können schon bei 10cm Höhe blühen, werden aber an besseren Stellen bis zu 1m hoch. Meistens gab es eine Blüte, das Maximum waren vier.
Sie stehen sehr oft im Kriechwacholder oder am Rande von Legföhren.
Die Bilder zeigen die Variationsbreite der Blütenzeichnung von ungezeichnet (ganz wenige) bis hin zu sehr stark überlaufen. Es gab an zwei Stellen sogar wenige orange blühende Exemplare.
Auch in der freien Natur gibt es Pflanzen ohne Narbe. Es waren wie im Garten kleinere Pflanzen mit einer Blüte.
Meinen Glückwunsch, da hast Du ja alle Rarietäten des Balkan gefunden.
Für mich sind die Himantoglossen besonders. Nachdem die Standorte in Bosnien ja seit Jahren, wegen der Mienen, nicht mehr begehbar sind, sind diese FO sehr wichtig.
Wäre es Dir möglich ein paar Einzelaufnahmen der H. calcaratum ein zu stellen.
Dann könnten wir die Frage der seltensten Riemenzunge wieder aufnehmen.
Hallo Manne,
selten ist sie dort nicht. Wir fanden ca. 250 Pflanzen an einem halben Tag, vor allem entlang der Hauptstraße. Außerdem kommt sie noch in Bosnien und im Kosovo vor.
Sie hat vor allem etwas größere Blüten und einem auffallend langen Sporn, ist aber sonst H. caprinum sehr ähnlich. Für mich also eine Unterart von H. caprinum.
Die seltenste Art ist nach derzeitiger Kenntnis sicher H. formosum.
Vielen Dank sokol ,für diesen tollen Überblick über die Orchideenlandschaft dort! :thumb
vielen Dank für Informationen :thumb