Orchideenkultur

Fachbereich => Terrestrische Orchideen => Ophrys => Thema gestartet von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:20 Uhr

Titel: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:20 Uhr
Hallo Leute,

ich würde gerne einige Quadratmeter meines Gartens zur Ophrys-Wiese umfunktionieren. Mein Garten war vor ca. 100 Jahren Auwald und wird jetzt als Wiese genutzt. Die Wiese wurde nie gedüngt, wird gelegentlich gemäht - das Mähgut wird regelmäßig abgeräumt.

In den einschlägigen Büchern wird empfohlen, dass der Oberboden abzutragen ist, dann kommt eine Kiesschicht und zum Schluss eine dünne Substratschicht drauf.... - gelegentlich wird dann auch darauf verwiesen (auch hier im Forum), dass man mit Oprys nur langfristig erfoglreich ist, wenn man den entsprechenden Pilz im Boden hat.

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass 500 Meter von meinem Garten eine Heide liegt, auf der bereits Hummeln wachsen. Ich meine, dass somit auch in meinem Garten einige Dinge gar nicht so verkehrt sein sollten.

Wer hat bereits Erfahrung bei der Umwandlung einer Wiese in eine "Ophrys-Wiese"? Welche Ratschläge habt Ihr?

Nachfolgend noch ein paar Bilder (Heideüberblick, Ophrys auf der Heide, mein Garten, Bodenprofil des Gartens).
(//)
Es würde mich freuen, wenn ich Eure Meinung zu diesem Projekt bekommen könnte.

Vielen Dank und viele Grüße
Klaus aus Augsburg

Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: orchitim am 23.Jun.13 um 21:25 Uhr
Wenn Ophrisse damit zurecht kommen wie es ist, warum willst Du dann erstmal die Bodenstruktur zerstören? Nutze was da ist und Versuche andere Arten dort anzusiedeln.
Titel: Re: Wie lege ich eine Oprys-Wiese an?
Beitrag von: Ralla am 23.Jun.13 um 21:27 Uhr
Das klingt nach einem interessanten Projekt.  :yes  Hoffentlich haben die Ophrys-Spezialisten hier ein paar gute Ideen griffbereit.

Tom, offensichtlich wachsen dort im Garten noch keine Ophrys. Die Frage ist also, ob es dort im Garten schon so aussieht, wie es aussehen sollte.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 23.Jun.13 um 21:36 Uhr
Wenn von selbst nichts kommt würde ich es mal mit einem Samenpröbchen versuchen. Du könntest mal versuchen an einer sonnigen Stelle einen Streifen der Grasnarbe zu entfernen. Ophryserfahrung im Garten hab ich leider nicht - hier gehen draußen weder Hummeln noch Bienen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:54 Uhr
Hallo Orchitim,
die ersten beiden Bilder waren von der Heide auf der die Ophrys wachsen - die beiden andern Bilder stammen von meinem Garten - da wachsen bisher keine Ophrys.

Hallo Uhu,
die Wiese in meinem Garten ist leider viel zu dicht (auch wenn nie gedüngt wurde), da werden keine Samen keimen. Wenn ich 10 cm Substrat entferne, wird sich wohl auf Dauer nicht wirklich viel ändern, der Bewuchs wird wohl genau so dicht, wie er bisher schon ist.

Gibt es jemanden der bereits selbst in dieser Sache Erfahrungen sammeln konnte?

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Claus am 23.Jun.13 um 22:19 Uhr
Was für eine Bodenqualität hast du dort? Ophrys kenne ich eigentlich nur auf Böden, die zumindest eine gewisse Menge Kalk enthalten.

Hier eine Auswahl: https://www.google.de/search?q=ophrys+boden&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a#client=firefox-a&hs=osC&rls=org.mozilla:de%3Aofficial&sclient=psy-ab&q=ophrys+kalk+boden&oq=ophrys+kalk+boden&gs_l=serp.3...21629.22467.0.23315.5.5.0.0.0.1.149.707.0j5.5.0...0.0...1c.1.17.psy-ab.H0zRK8WIDm4&pbx=1&bav=on.2,or.r_qf.&bvm=bv.48293060,d.Yms&fp=8155130d9dff6973&biw=1182&bih=642
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 23.Jun.13 um 23:52 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:54 Uhr
Hallo Uhu,
die Wiese in meinem Garten ist leider viel zu dicht (auch wenn nie gedüngt wurde), da werden keine Samen keimen. Wenn ich 10 cm Substrat entferne, wird sich wohl auf Dauer nicht wirklich viel ändern, der Bewuchs wird wohl genau so dicht, wie er bisher schon ist.

Viele Grüße
Klaus

Ich wuerde keine Schicht abtragen, sondern 3 qm mal mit Roundup behandeln, damit die Begleitflora reduziert wird und dann Samen ausstreuen.
Be Orchis mascula hift es, Pfanzen mit Substrat einzusetzen. Dann breitet sich der Pilz alleine aus, wenn keine anderen Pilze im Boden sind
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: sokol am 24.Jun.13 um 06:36 Uhr
Ich würde auch nichts abtragen, sondern eher versuchen den Boden auszumagern. Ich vermute mal, dass er im Prinzip bereits Orchideen-tauglich ist.
Ich habe bei mir dazu mehrfach Kalk ausgebracht, weil bei mir der Boden nicht sehr kalkhaltig ist und Klappertopf eingebracht, der die Gräser in Schach hält. Bei mir klappt es bisher nicht mit Ophrys, dafür stehen da jetzt ca. 100 selbst ausgesäte Dactylorhiza, einige Ep. palustris, 2 Anacamptis, eine Listera ovata, 4 Ceph. longifolia (Randbereich) und eine Gymnadenia (die nicht blühen will). Ich habe keine Orchideen eingesetzt, ging alles über Samen und fast alles ohne mein Zutun. Das Ganze erstreckte sich allerdings über 20 Jahre und wurde von mir auch erst in den letzten 5-10 Jahren etwas zielgerichteter gesteuert.
Die Wiese wird erst im Juli/August gemäht und dann bis zum Herbst kurz gehalten

In deinem Fall halte ich eine kombinierte Vorgehensweise für sinnvoll, mittel bis langfristige Maßnahmen kombiniert mit Bereichen zum Experimentieren (Samen ausbringen) und Ausprobieren (Pflanzen einsetzen).

Beispielbild siehe: http://www.orchideenkultur.net/index.php?topic=27315.msg309478#msg309478
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: orchitim am 24.Jun.13 um 21:14 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:54 Uhr
Hallo Orchitim,
die ersten beiden Bilder waren von der Heide auf der die Ophrys wachsen - die beiden andern Bilder stammen von meinem Garten - da wachsen bisher keine Ophrys.

Meine Antwort bezog sich auf die direkte Nähe des Ophrisstandortes. Wenn dem so ist, sind die benötigten Pilze ganz sicher auch in Deinem Boden und bei einem geplanten größeren Eingriff würdest Du die Bodenflora nachhaltiger stören, was den anzusiedelnden Orchis weniger bekommt als wenn Du idealtypische Standorte findest und weniger Invasiv welche ansiedelst.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Tyr am 24.Jun.13 um 21:24 Uhr
Das mit den Pilzen ist sicher möglich allerdings sieht die Heide wesentlich trockener und mager aus. Kann es sein das der Naturstandort auf Schotter und erhöht liegt, wenn ja kann man das nicht unbedingt eins zu eins übertragen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: orchitim am 24.Jun.13 um 21:35 Uhr
Welche Heide meinst Du? Heide ist doch meist Grundmoränenmaterial, also eher fein geriebens, sandiges Material. Und auch bis in die Tiefen welche Orchideen erreichen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Tyr am 24.Jun.13 um 21:55 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 23.Jun.13 um 21:20 Uhr
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass 500 Meter von meinem Garten eine Heide liegt, auf der bereits Hummeln wachsen.
Möglicherweise meint er sowas wie eine Wachholderheide ich vermute er meint aber eher eine Brennehttp://de.wikipedia.org/wiki/Brenne_%28Lebensraum%29 (http://de.wikipedia.org/wiki/Brenne_%28Lebensraum%29) da es ja ein Auengebit ist.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Tyr am 24.Jun.13 um 22:19 Uhr
So so das die meisten Erdorchideensamen Pilze zum keimen brauchen ist ein Märchen, dann muss es in Zukunft heisen:" ...und wenn sie nicht geboren sind dann können sie auch nicht sterben."
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 25.Jun.13 um 23:35 Uhr
naja, komischerweise sind auch auf isolierten Kalklinsen geeignete Ophryspilze in der Regel vorhanden. Wenn Muschelkalk im UNterboden ist klappt es auch mit den Ophrys, Gymadenien, Orhcis militaris und purpurea etc. Die Seltenheit der Orchideenstandorte liegt meiner Meinung nach mehr an der intensiven Nutzung der Landschaft - wobei ich nicht unbedingt was dagegen habe, solange die  noch vorhandenen Standorte geschont werden.

Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 26.Jun.13 um 00:31 Uhr
Zitat von: Uhu am 25.Jun.13 um 23:35 Uhr
naja, komischerweise sind auch auf isolierten Kalklinsen geeignete Ophryspilze in der Regel vorhanden. Wenn Muschelkalk im UNterboden ist klappt es auch mit den Ophrys, Gymadenien, Orhcis militaris und purpurea etc. Die Seltenheit der Orchideenstandorte liegt meiner Meinung nach mehr an der intensiven Nutzung der Landschaft -

Juergen, wenn dem so waere, sollten die von Dir aufgezaehlen Arten oft zusammen auftreten, was aber nicht der Fall ist.

Ophrys apifera saeht sich allerdings leicht ueberall aus, die anderen Ophrys-Arten und insbesondere Orchis militaris und Orchis purpurea aber nicht. Es gibt Standorte mit vielen Orchis militaris und keiner einzigen Ophrys und umgekehrt.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 26.Jun.13 um 09:37 Uhr
Der Keimpilz fuer Orchis mascula laesst sich in sterilem Boden ganz gut ansiedeln. Dann keimen fuer einige Jahre Orchis mascula Saemlinge. Aber nach einer gewissen Zeit keimt nichts mehr.
Einen Keimpilz fuer Orchis militaris oder purpurea oder Ophrys-Arten anzusiedeln ist mir bisher nicht gelungen.
Ich vermute, es liegt daran, dass die geeigneten Pilze zu leicht von bereits vorhandenen Pilzen verdraengt werden.
In der Topfkultur von Ophrys-Arten, wo man das Substrat sterilisieren kann, laesst sich ein solcher Effekt beobachten.   
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Claus am 26.Jun.13 um 09:52 Uhr
Zitat von: Krzynianek am 26.Jun.13 um 09:44 Uhr
P.S. Als Anhang - ein Hügelschen in Andalusien, eine Seite wo ein Landwirt "zu viel" umgepflügt hat. Wo "Magerrasen" unbeschädigt geblieben, habe ich 3 Ophrys lutea blühend gesehen, wo gepflügt wurde - have ich 500 gezählt.

Ja, Rohboden schafft immer hervorragende Bedingungen für die Aussaat von Erdorchideen. Ich kenne das aus Österreich, wo im Gebirge in den letzten Jahrzehnten viele neue Straßen gebaut wurden. Auf den Böschungen keimten dann nach 1-2 Jahren massenhaft Orchideen. Nach 5 Jahren waren dann aber nur noch wenige zu finden, dafür aber die übliche Vegetation.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 26.Jun.13 um 20:36 Uhr
Zitat von: Berthold am 26.Jun.13 um 00:31 Uhr
Zitat von: Uhu am 25.Jun.13 um 23:35 Uhr
naja, komischerweise sind auch auf isolierten Kalklinsen geeignete Ophryspilze in der Regel vorhanden. Wenn Muschelkalk im UNterboden ist klappt es auch mit den Ophrys, Gymadenien, Orhcis militaris und purpurea etc. Die Seltenheit der Orchideenstandorte liegt meiner Meinung nach mehr an der intensiven Nutzung der Landschaft -

Juergen, wenn dem so waere, sollten die von Dir aufgezaehlen Arten oft zusammen auftreten, was aber nicht der Fall ist.

Hallo Berthold, besonders gut dokumentiert ist eine isolierte Kalkinsel zwischen Kassel und Marburg. Dort gab es früher die komplette Ausstattung mit Orchis militaris, purpurea -die sind inzwischen verschwunden. Oph insectifera und Gymnadenia standen kurz vor dem Verschwinden und wurden nur durch den Einsatz eines Orchideenfreundes, der die Mahd der verbuschenden Standorte übernommen hat, erhalten. Platanthera chlorantha und Waldvöglein sind nicht gefährdet. Das heutige Arteninventar ist leider meistens deutlich geschrumpft.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Timm Willem am 26.Jun.13 um 22:02 Uhr
Zitat von: Berthold am 25.Jun.13 um 23:14 Uhr
Zitat von: Krzynianek am 24.Jun.13 um 22:03 Uhr
Ich glaube manchmal, daß dieses Forum sich umnennen soll und "Märchen über Mikkorhiza-Pilzen" heißen...

Aber Kristof, ueberlege doch mal selber, warum die meisten Orchiden in der Natur nur auf Pilzen keimen koennen.

Die Orchideenstandorte sind halt relativ selten und nicht ueberall, wo Orchideen leben koenenn, existieren auch Orchideen. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sich geeignete Keimpilze nicht ansiedeln koennen, weill das Substrat bereits von anderen Pizen besetzt ist.
Hallo Berthold,
wahrscheinlich spielen bei der Ansiedlung von Orchideen alle Wachstumsfaktoren, wie bei anderen Pflanzen auch, eine Rolle. So wie Sonnentau auf keinem Südhang in praller Sonne wächst, tut dies auch Cypripedium nicht. Meist ist das Hauptproblem eine zu dichte Begleitvegetation, wodurch die Orchideen nach einigen Jahren wieder verdrängt werden oder sich gar nicht erst ansiedeln können.

Wenn man dazu bedenkt, dass viele Orchideen nach der Keimung einige Jahre bis zur ersten Blüte benötigen, sie zwischen Keimung und erster Blüte an einem neuen Standort praktisch nicht "auffindbar" erscheinen und dann auch nur unter optimalen Bedingungen direkt zur Blüte kommen, kann man annehmen, dass es vielleicht noch ein anderes grundlegendes Problem neben der Keimung gibt.

Möglicherweise verlängert sich der Zeitraum zwischen Keimung und erster Blüte auf Standorten zwischen den "notwendigen und hinreichenden Bedingungen" so sehr, dass sie durch Ausfall über die Jahre nie zur Blüte kommen. Man kann meist vor der Blüte überhaupt nicht erkennen, welche und wie viele Protokorme dort in der Erde entstanden sind.

In diesem Fall hätte die Verteilung der Pilze nur sehr wenig mit den wirklich an einem Standort blühenden Pflanzen zu tun. Danach würde die These, dass diese Pilze überall vorhanden sind, ebenso zutreffen können. Gründe warum eine Orchideenart sich nicht spontan an einem neuen Standort ansiedelt, gibt wohl sehr viele.

Wobei noch viele weitere Thesen denkbar wären. Beispielsweise, dass der Pilz zwar überall vorhanden ist, aber nicht in jedem Jahr Bedingungen vorfindet um auch noch die Protokorme der Orchideen zu ernähren. An bestehenden Standorten würde dies die sehr stark schwankenden Jungpflanzenbestände zumindest teilweise erklären können.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 26.Jun.13 um 22:24 Uhr
Simon, das Vorhandensein der notwendigen Keimpilze ist nur eine notwendige Voraussetzung, keine hinreichende Voraussetzung fuer das Vorhandensein bluehender Pflanzen.

Man sieht sehr schoen die Ausbreitung des Keimpilzes fuer Orchis mascula, wenn man eine infizierte Pflanze in ziemlich steriles Substrat im Garten setzt.
Beyrle hat ausfuehrlich darueber gearbeitet, einen geeigneten Pilz in einem Habitat anzusiedeln, um dort langfristig eine Dactylorhiya-Art zu etablieren.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 26.Jun.13 um 22:46 Uhr
Hallo Leute,

vielen Dank für die Infos in dieser Sache, von meiner Seite noch Anmerkungen zu

Tyr: Es ist richtig, dass die Heide trockener aussieht, auch wenn Sie so aussieht, ist die Fläche am Morgen ziemlich feucht. Vor 20 Jahren wurde übrigens von einer Fläche unmittelbar an der Heide, die als Wiese genutzt wurde der Oberboden abgetragen (es hieß damals, dass zwischen 20-70 cm Oberboden ab zutragen war bis man auf Kies gestoßen war), später wurde dann Samen/Heu von der Heide aufgebracht. Auf der Fläche finden sich heute viele Pflanzenarten der Heide, jedoch keine Ophrys. Bei mir im Garten beginnt die Kiesschicht nach ca. 50 cm.

Orchitim: Die Heide liegt unmittelbar am Lech und hat sich meines Wissens aus Brennen entwickelt. Wachholder gibt es dort nicht (aber Sanddorn).

Ich tendiere im Augenblick dazu, zunächst mal Samen von der Heide auf die abgetragene Fläche neben der Heide aufzubringen und abzuwarten, was sich da so entwickelt.

Was jedoch im Garten passiert kann ich noch nicht sagen, da fehlen mir noch weitere Ratschläge. Hat noch jemand Erfahrung mit der langfristigen Ansiedlung von Ophrys im Garten?

Viele Grüße
Klaus





Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 26.Jun.13 um 23:00 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 26.Jun.13 um 22:46 Uhr
Hat noch jemand Erfahrung mit der langfristigen Ansiedlung von Ophrys im Garten?

Viele Grüße
Klaus

Es ist mir trotz umfangreicher Versuche nicht gelungen, da sich die Pflanzen nicht ausgesaet haben, Aussnahme Ophrys apifera.
Im Topf haben sich die Pflalnzen nur ausgesaet, wenn sie in fast sterilem Substrat standen und dann auch nur ein Jahr lang. Die Keimpilze, die an der Mutterplanze kleben, sind nach ca. einem Jahr abgestorben.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Timm Willem am 27.Jun.13 um 16:29 Uhr
Zitat von: Berthold am 26.Jun.13 um 22:24 Uhr
Man sieht sehr schoen die Ausbreitung des Keimpilzes fuer Orchis mascula, wenn man eine infizierte Pflanze in ziemlich steriles Substrat im Garten setzt.
Das liegt an der Lebensweise des beobachteten Pilzes, viele weitere Beobachtungen deuten darauf hin, dass "Keimpilze" stark an die Wurzeln anderer Pflanzen, von denen sie mit Kohlenhydraten versorgt werden, gebunden sind. Die in meinen Augen wichtigste Grundlage für erfolgreiches natürliches Wachstum bei Erdorchideen ist die Anwesenheit von Wirtspflanzen von denen die "Pilze" profitieren. Dabei scheint die Art der Wirtspflanze für den Pilz und die Pilzart selber nicht unbedingt für eine Orchideenart fest zu stehen. 
Zitat von: Berthold am 26.Jun.13 um 22:24 Uhr
Beyrle hat ausfuehrlich darueber gearbeitet, einen geeigneten Pilz in einem Habitat anzusiedeln, um dort langfristig eine Dactylorhiya-Art zu etablieren.
Das Beispiel hatten wir schon einmal, ich kenne es nicht genug um etwas dazu schreiben zu können, kann mir aber nur anhand Deines Satzes eine fast unendliche Ergebnisdiskussion vorstellen, da gibt es unendlich viele Gründe warum etwas in einem offenen, praktisch unbeobachtbaren System nicht funktioniert.

Vielleicht hätte man eine für die Pilzart geeigneten Wirtspflanze einbringen sollen, dann wäre der Pilz schon dabei gewesen. Das es nicht ausreicht in ein bestehendes System einen Pilz einzuimpfen, ist wohl unumstritten. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass der Pilz als Hintergrund bereits vorhanden ist, aber eben keine große Rolle spielt.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 27.Jun.13 um 21:26 Uhr
ZitatEs ist mir trotz umfangreicher Versuche nicht gelungen, da sich die Pflanzen nicht ausgesaet haben, Aussnahme Ophrys apifera.
Im Topf haben sich die Pflalnzen nur ausgesaet, wenn sie in fast sterilem Substrat standen und dann auch nur ein Jahr lang. Die Keimpilze, die an der Mutterplanze kleben, sind nach ca. einem Jahr abgestorben.

Hallo Berthold,
danke für diese Info! Gibt es sonst jemand in diesem Forum, der bei der dauerhaften Ansiedelung von einheimischen Oprys-Arten erfolgreich war?

Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 28.Jun.13 um 23:54 Uhr
Zitat von: Timm Willem am 27.Jun.13 um 16:29 Uhr
Zitat von: Berthold am 26.Jun.13 um 22:24 Uhr
Man sieht sehr schoen die Ausbreitung des Keimpilzes fuer Orchis mascula, wenn man eine infizierte Pflanze in ziemlich steriles Substrat im Garten setzt.
Das liegt an der Lebensweise des beobachteten Pilzes, viele weitere Beobachtungen deuten darauf hin, dass "Keimpilze" stark an die Wurzeln anderer Pflanzen, von denen sie mit Kohlenhydraten versorgt werden, gebunden sind. Die in meinen Augen wichtigste Grundlage für erfolgreiches natürliches Wachstum bei Erdorchideen ist die Anwesenheit von Wirtspflanzen von denen die "Pilze" profitieren. Dabei scheint die Art der Wirtspflanze für den Pilz und die Pilzart selber nicht unbedingt für eine Orchideenart fest zu stehen.

Ja, das gilt vermutlich oft aber die Ophrys-Keimpilze vieler mediterraner Arten scheinen ohne Wirtspflanzen auszukommen, nur mit minimalem Humus im Substrat, vielleicht von den abgestorbeenn Wuzeln der einjaehrigen Begleitflora. Unser B1 verhaelt sich aehnlich.

Zitat
Zitat von: Berthold am 26.Jun.13 um 22:24 Uhr
Beyrle hat ausfuehrlich darueber gearbeitet, einen geeigneten Pilz in einem Habitat anzusiedeln, um dort langfristig eine Dactylorhiya-Art zu etablieren.
Das Beispiel hatten wir schon einmal, ich kenne es nicht genug um etwas dazu schreiben zu können, kann mir aber nur anhand Deines Satzes eine fast unendliche Ergebnisdiskussion vorstellen, da gibt es unendlich viele Gründe warum etwas in einem offenen, praktisch unbeobachtbaren System nicht funktioniert.

Vielleicht hätte man eine für die Pilzart geeigneten Wirtspflanze einbringen sollen, dann wäre der Pilz schon dabei gewesen. Das es nicht ausreicht in ein bestehendes System einen Pilz einzuimpfen, ist wohl unumstritten. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass der Pilz als Hintergrund bereits vorhanden ist, aber eben keine große Rolle spielt.

Ja, da gibt es sehr viele Gruende, an denen die Ansiedlung der Orchideen scheitern kann. Die Natur selber schafft es ja auch nur in seltenen Faellen.
Bei den Orchideen ist auch zu beruecksichtigen, dass der pilzabhaenige Keimvorgang teils mit voellig anderen Pilzen ablaeuft als der spaetere adulte Lebenspart, der mindestens bis zum einmaligen Bluehen fuehren muss.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 30.Jun.13 um 21:20 Uhr
...gestern beuchte ich mal wieder die Heide (siehe 1. Bild meines ersten Beitrages) und wollte sehen, wie sich die Samen der Ophrys entwickeln.
(//)
Dort angekommen musste ich feststellen, dass das Gebiet eingezäunt war und dass sich dort Schafe bequem gemacht hatten. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist von den Ophrys nicht mehr wirklich viel übrig geblieben. Ich hatte die Wochen zuvor einige Pflanzen mit einem Ästchen markiert - nicht eine Ophrys ist heil geblieben...

Mir ist klar, dass es sehr schwer ist, für die Beweidung den richtigen Zeitpunkt zu finden, was für die Ophrys gut ist, kann vielleicht für irgend welche Schmetterling gerade falsch sein, oder so....

Welche Erfahrung habt Ihr so von den Standorten die Ihr kennt?

Viele Grüße aus Augsburg
Klaus







Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Ralla am 30.Jun.13 um 21:36 Uhr
Oje, das ist ja ärgerlich.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 30.Jun.13 um 21:43 Uhr
Eine Pflege solcher Biotope ist zum Erhalt der Artenvielfalt und insbesondere der Orchideen unbedingt nötig. Ich konnte mal einen morio Standort in der Nähe 3 Jahre nicht mähen. Es kamen nur noch 10-15% der vorherigen Anzahl zur Blüte.

Bei der Fläche stimmt das PFlegemanagement nicht. Die Heide wird aber sicherlich viel zu früh beweidet. Dieses Jahr ist dort alles futsch. Gibt es einen Schutzstatus für die Fläche? Hummelragwurz fällt in Bayern unter die Kategorie stark gefährdet.
http://www.bestellen.bayern.de/application/stmug_app000008?SID=313273185&ACTIONxSESSxSHOWPIC%28BILDxKEY:stmugv_nat_00044,BILDxCLASS:Artikel,BILDxTYPE:PDF%29
Dann müsste im Pflegeplan Beweidung frühestens 8 Wochen nach Ende der Orchideenblüte festgelegt sein (werden??). Das wäre dann immer noch früh genug für Herbstblüher wie beispielsweise Gentianellaarten oder Spiranthes spiralis. Raupen und Schmertterlinge können mit einem Stoppelacker auch nix anfangen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 01.Jul.13 um 22:39 Uhr
Hallo Jürgen,

die Heide ist Anfang Mai bereits mal beweidet worden, allerdings gab es nach Aussage des Schäfers so gut wie keinen Bewuchs...

Ich hatte Kontakt mit dem Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes, der die Beweidung steuert, der meinte nur, dass die Pflanzen durch die Beweidung nicht nachhaltig geschädigt sind. Im übrigen sind die Heiden nur durch die Beweidung durch Schafe entstanden....

Angeblich bringt man die Beweidung (es wird 3x pro Jahr beweidet) nicht besser terminlich unter. Erst als ich noch mitgeteilt hatte, dass die Schafe auf der Heide eingepfercht waren meinte der Herr vom Landschaftspfegeverband, dass dies eigentlich nicht sein sollte, er will der Sache mal nachgehen.

Bei der Heide handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, ich meine sogar mal gelesen zu haben, dass es sich um ein FFH-Gebiet handelt.

Die Verlinkung hat nicht funktioniert.

Wo finde ich etwas über so einen Pflegeplan?

Viele Grüße aus Augsburg
Klaus

Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 01.Jul.13 um 22:49 Uhr
Hallo Klaus,

die Pflegepläne sind leider in der Regel nicht öffentlich. In einem NSG ist die obere Naturschutzbehörde beim Regieriungspräsidium Deiner Region zuständig. Da hat aber bei der Behörden mal wieder jemand schwer gar keine Ahnung von der Sache:
Einfach 3 Beweidungen ohne Pflegezeiten festzulegen kann einem Standort richtig was bringen oder ihn total vernichten. Minimum ist eine Beweidung 8 Wochen nach Büte (= Samenreife) und vor Austrieb Mitte September. Die frühe Beweidung hat ja auch nicht geschadet - Du hat schöne Bilder der blühenden Hummeln einstellen können. Die sollte aber spätestens im März stattfinden um keine Austriebe zu vernichten. 3 Beweidungen sind zum Erhalt und zur Ausmagerung nicht erforderlich.
Ich finde es sehr gut, dass Du mal bei den Behörden nachgehakt hast. Falls Du bezüglich Pflege UNterstützung braucht kann ich den Kontakt zu einem darin erfahrenen Botaniker vermitteln.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 10.Jul.13 um 11:32 Uhr
Aus einem, leider vergriffenen, Büchlein des AHO Thüringen habe ich mal Ratschläge zur Pflege von Standorten von Op.apifera herausgesucht. Diese dürften grundsätzlich auch für Hummelragwurz zutreffen. Die Mahd wäre bei den Hummel wahrscheinlich etwas früher möglich, da die Samen früher reif sind.

Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 10.Jul.13 um 21:26 Uhr
Hallo Jürgen,

vielen Dank noch, das ist genau das, was ich gesucht hatte.

Viele Grüße aus Augsburg
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Tyr am 10.Jul.13 um 21:51 Uhr
Das ist doch dieser Pflegeplan?
http://austrianorchids.org/archiv-downloads-1/Toepfer.Broschure.%20web.pdf (http://austrianorchids.org/archiv-downloads-1/Toepfer.Broschure.%20web.pdf)
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 10.Jul.13 um 22:00 Uhr
ja, das ist das Heft. Den Link kannte ich bisher nicht. Danke
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Claus am 10.Jul.13 um 22:37 Uhr
Gibt es eine Möglichkeit die quer liegenden Tabellen zu drehen? Ich möchte das ja nicht ausdrucken müssen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: neil am 10.Jul.13 um 23:16 Uhr
Claus

IF you save the file and then open it as a pdf you are able to rotate the view of the PDF
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 06.Aug.13 um 22:13 Uhr
Hallo Leute,

nun sind ein paar Wochen vergangen, einige Beiträge haben dazu geführt, dass ich mich nochmals intensiv über die Thematik "Anlage einer Ophrys-Wiese im Garten" nachgedacht habe.

Da mein Garten nicht weit von der Heide weg ist, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass die Bodenbeschaffenheit der Heide nicht so sehr von der in meinem Garten abweicht. Ein wichtiges Detail ist mir da dann aber wieder eingefallen: Mein Garten war vor ca. 100 Jahren Auwald - irgend etwas musste also anders gewesen sein, gegenüber der Heidefläche.

Da die letzten Tage in der Heide kleinere Bauarbeiten ausgeführt wurden und auch teilweise in der Fläche der Oberboden abgetragen wurde, habe ich die Gelegenheit genutzt, um mir auch mal da die Fläche genauer anzusehen. Ich hatte es schon fast vermutet - der Boden der Heide weist deutlich mehr Kies auf, als die Fläche in meinem Garten.

Ich tendiere daher derzeit dazu, in meinem Garten den Oberboden (Humus, darunter Löß) bis auf den Kies abzutragen (ca. 60 cm) und die Fläche dann zunächst mit Kies weiter aufzufüllen und oben nur noch eine dünne Humus/Löß-Schicht (10-20 cm) zu belassen.

Wie denkt Ihr über diese Sache?

Nochmals auch die Frage, ob es jemanden gibt, der bereits in der Vergangenheit Erfolg bei der Anlage einer Oprys-Wiese hatte?

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 06.Aug.13 um 22:23 Uhr
Klaus, die meisten Ophrys-Standorte in Deutschland enthalten keinen Kies. Es ist meist ein Lehmsand-Boden mit höherem pH-Wert und Kalkanteil. Der Boden bleibt im Frühling meist längere Zeit feucht, weil der Lehm das Wasser hält. Im Spätfrühling und Sommer trocknet der Boden dann aus und bildet oft Risse, durch die Luft in den Boden und an die Ophrys-Knollen gelangt. Der Luftsauerstoff scheint entscheidend für die Mikroorganismen und Pilze im Boden um die Ophrys-Knollen zu sein. Das ist typisch für Kalktrockenrasen. Die grosse Sommertrockenheit und der hohe pH-Wert verhindern nebenbei das Ansiedeln zu üppiger Begleitflora.     

Der Kies sollte also keine Rolle spielen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Uhu am 07.Aug.13 um 20:36 Uhr
Hallo Klaus,

das sehe ich wie Berthold. Eine ausreichende Drainage ist wichtig. In einer Brenne eben aus Kies. Aber am Kaiserstuhl wachsen Ophrys auch im Lös ganz gut.
Bei mir funktionieren Ophrys aus klimatischen gründen nicht, andere Magerrasen- Orchideen aber durchaus. Ich habe ein älteres, sehr mageres Beet mit dicken Kalkbrocken im Untergrund und Kalkkies gemicht mit wenig Humus darüber. Gymnadenia wächst darauf, wollte aber die letzten Jahre nicht blühen. Im letzten Herbst nach ich nach Wachstumsabschluss eine Lage verrotetes Buchenlaub darüber gegeben und dieses Jahr hatte ich Blüten und Samen. Die Orchideen brauchen also genug Futter. Deshalb stelle sie besser nicht zu mager.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 07.Aug.13 um 22:37 Uhr
Zitat von: Uhu am 07.Aug.13 um 20:36 Uhr
Die Orchideen brauchen also genug Futter. Deshalb stelle sie besser nicht zu mager.

Ja, aber das Futter darf nicht die Begleitflora fördern, sonst wächst alles zu.
Deshalb soll der Boden entweder einen hohen pH-Wert habe, den andere Pflanzen nicht so gut vertragen oder Pflanzengifte wie Schwermetalle enthalten, die andere Pflanzen ebenfalls nicht mögen oder der Boden soll ab Spätfrühling/Sommer gut durchtrocknen.
In trockenen Jahren muss der Boden aber im Frühling hinreichend lange feucht bleiben, sonst entwickeln sich die Orchideen nicht. Deshalb darf er nicht zu stark drainiert sein.
In nassen Jahren soll der Boden aber trotzdem im Sommer abtrocknen, deshalb darf er nicht zu wenig drainiert sein.

Ich neige dazu, stark zu drainieren und in trockenen Zeiten per Hand nachzugiessen.

Für die langfristig stabile Kultur müssen auch noch Keimpilze für die Ophrys vorhanden sein. Aber das ist ein anderes Problem.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 12.Aug.13 um 21:37 Uhr
Hallo Berthold, hallo Jürgen,

vielen Dank für die noch sehr detaillierten Infos!

So wie sich das anhört, erscheint es mir sehr schwierig, die natürlichen Bedingungen nachzuahmen. Das ist aus meiner Sicht wohl nicht machbar...

Da werde ich meinen Plan wohl begraben können - ist nicht ganz so tragisch, da der natürliche Standort ja nicht weit von meinem Haus weg ist.

Viele Grüße aus Augsburg
Klaus



Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 12.Aug.13 um 21:53 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 12.Aug.13 um 21:37 Uhr
Da werde ich meinen Plan wohl begraben können - ist nicht ganz so tragisch, da der natürliche Standort ja nicht weit von meinem Haus weg ist.

Viele Grüße aus Augsburg
Klaus

Klaus, ich würde es auf jeden Fall versuchen.

Es gehört aber immer ein bisschen Glück zum Erfolg, denn für einen langfristigen Bestand müssen sich die richtigen Mikroorganismen und Pilze ansiedeln und in einem stabilen Gleichgewicht leben.
Da ist der Erfolg praktisch nicht vorhersagbar, da die Randbedingungen für das Gelingen sehr komplex sind. Deshalb bleibt nur der Versuch.
In der Natur gelingt das auch nur in seltenen Fällen, denn längs nicht überall, wo für Ophrys das geeignete Substrat vorhanden ist und wo sie wachsen "könnten" wachsen auch tatsächlich welche.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 13.Aug.13 um 21:38 Uhr
Hallo Berthold,

ich denke, dass es wohl nicht die angedachte Wiese werden wird, das erscheint mir bei der Erfolgsaussicht als zu aufwändig.

Ich werde das wohl zunächst mal auf einer kleinen Fläche testen, bei Erfolg kann dann immer noch vergrößert werden.

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 06.Okt.14 um 23:29 Uhr
Klaus, hast Du an dem Projekt weiter arbeiten können?
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 08.Okt.14 um 10:16 Uhr
habe mal klein angefangen:boden ca 60cm tief ausgegraben mit kalkschotter/sand aufgefüllt,gepflanzt cypr.calceolus,ophrys apifera,ophrys sphegodes,himantoglossum adriaticum,dact.fuchsii und gymnadenia conopsea
lg
johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 08.Okt.14 um 11:29 Uhr
Wenn man eine Wiese anlegt mit einigermassen sterilen neuen Material, lohnt das Impfen mit Bodenproben vom Naturstandort, wo die Art wächst. Die geeigneten Keimpilze und Schutzpilze werden sich dann am neuen Standort ausbreiten und auch zu Keimungen führen.

Ich habe das praktiziert mit Bodenproben von einem Orchis mascula Standort im Garten und auch mit Bodenproben von einem Ophrys-Standort in einer Tonschale. In beiden Fällen gab es Keimungen.

Bei einem alten gewachsenen Boden lohnt das Impfen meist nicht, denn es sind bereit so viele Pilze und Mikroorganismen im Boden vorhanden, dass der Impfpilz verdrängt wird und sehr bald verschwindet
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 08.Okt.14 um 12:32 Uhr
in den kalkschotter ist mit lehm von naturstandort geimpft worden,mal abwarten was passiert
salve
johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 08.Okt.14 um 13:59 Uhr
Johan, sehr gut, ich bin gespannt, was passiert.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 08.Okt.14 um 22:50 Uhr
halte dich auf den laufenden,es ist mehr beet als wiese,da gartenboden granitsand/granitschotter,quasi orchideenfrei
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 18.Okt.14 um 19:05 Uhr
Berthold, ich habe das Projekt zunächst begraben, finde die weiteren Beiträge von Johann und Dir nun aber sehr interessant, mal sehen....

Johann, ist das Beet teilweise im Schatten? Da Du erwähnt hattest, dass auch C.calceolus gepflanzt wurde, würde ich dies mal vermuten.

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 18.Okt.14 um 22:48 Uhr
hallo klaus
der calceolus täuscht es ist sehr sonnig ohne schatten gelegen,habe bedenken wegen calceolus gehabt,aber es geht ohne schatten
lg
johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 29.Mai.15 um 22:46 Uhr
Hallo Leute,

nachfolgend der Update zu meiner Frage bzgl. der Anlage einer Oprys-Wiese.

Die Frage ist für mich beantwortet!

Wie es dazu kam, ist ganz einfach - vor ca. 4 Jahren hatte ich ein paar Samen in meine Wiese gestreut, ging aber dann davon aus, dass das Gras dort viel zu dicht ist und dass sich da nichts tut - das war falsch....

Also eigentlich nicht wirklich schwierig, wenn man eine Fläche hat, die seit Jahrzehnten nicht gedüngt und erst immer ab August gemäht wird...

Viele Grüße und viel Erfolg bei der Anlage von Ophrys-Wiesen

Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 29.Mai.15 um 23:06 Uhr
ehemaliger weingarten,umgepflügt und mit macchie bepflanzt 21 arten orchideen großteils von selber gewachsen

lg

johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Ralla am 29.Mai.15 um 23:10 Uhr
Das sieht sehr gut aus.

Ob die entsprechenden Bodenlebewesen sich auch in ausreichender Menge im nördlichen Bereich Deutschlands herumtreiben? :lupe
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 29.Mai.15 um 23:23 Uhr
scusi carola,
vergessen dieser garten ist in der toscana,daher dürften die macchiesträucher wohl kaum winterhart sein

lg

johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Ralla am 30.Mai.15 um 10:43 Uhr
Sehr schön.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 19.Sep.15 um 22:19 Uhr
Etwas verspätet noch ein paar Bilder der Ergebnisse meiner Bestäubung. Ganz schön viel Zeug, was da in so einer Kapsel steckt.

Die Samen habe ich bereits im Garten an ganz speziellen Stellen ausgebracht.

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 19.Sep.15 um 22:54 Uhr
Klaus, der Samen enthält viele Embryonen, er ist von guter Qualität.
Die besten Chancen der Keimung hast Du mit Ophrys apifera, weil ein passender Keimpilz ziemlich weit verbreitet ist in deutschen Landen.
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 20.Sep.15 um 20:09 Uhr
Hallo Berthold,

ich denke nicht, dass es ein ganz großes Problem mit dem Pilz gibt. Ein Hummel-Standort liegt nur ca. 500 Meter von meinem Garten weg. Auch die Mutterpflanzen sind bereits bei mir im Garten gekeimt - also ganz gute Voraussetzungen.

Ich werde spätestens in ein paar Jahren dann wieder berichten.

Viele Grüße
Klaus
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: johan am 22.Sep.15 um 12:03 Uhr
freue mich schon klaus, sieht erfolgversprechend aus deine natürliche orchideenwiese :thumb :thumb :thumb :thumb

lg
johan
Titel: Re: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 24.Sep.15 um 21:54 Uhr
...bei meinen Blüten hatte ich zunächst gehofft, dass diese natürlich bestäubt werden. Das ist aber leider nicht geschehen, trotz des Umstandes, dass eine Heidefläche mit Hummeln nur 500 Meter von meinem Garten entfernt ist.

Die Blüten habe ich dann selbst bestäubt mit Pollinien einer Albino-Hummel - da bin ich zunächst mal gespannt wie viele Pflanzen in 3 - 4 Jahren blühen werden und dann natürlich noch, ob es auch eine weiße Blüte geben wird?!!!

Ich werde berichten.

Grüße
Klaus
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 22.Aug.25 um 18:11 Uhr
Hallo Leute,

ich hatte vor 10 Jahren ja mal berichtet, dass ich meine 3 Hummelragwurzen mit Pollinien einer apochromen Hummel bestäubt hatte.

Ich war sehr gespannt, ob nach 3-4 Jahren apochrome Hummeln im Garten zu finden sind. Die gab es damals nicht!

In der Zwischenzeit sind nun ein paar Ohrys-Generationen verstrichen. Diesen Mai hat meine Frau beim Mähen im Garten (an einer Stelle wo es bisher keine Oprys gab) eine "ungewöhnliche" Ragwurz entdeckt und natürlich um die Pflanze rumgemäht...

Anbei das Bild dieser außergewöhnlichen Form.

(https://forum.carnivoren.org/uploads/monthly_2025_06/IMG_7234.JPEG.b1ca27f11ba0152d214995b856420835.JPEG)(https://forum.carnivoren.org/uploads/monthly_2025_06/IMG_7232.JPEG.f34ca2872fb16dc41026fbac14a050e9.JPEG)
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 22.Aug.25 um 18:18 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 22.Aug.25 um 18:11 UhrHallo Leute,

ich hatte vor 10 Jahren ja mal berichtet, dass ich meine 3 Hummelragwurzen mit Pollinien einer apochromen Hummel bestäubt hatte.

Ich war sehr gespannt, ob nach 3-4 Jahren apochrome Hummeln im Garten zu finden sind. Die gab es damals nicht!

In der Zwischenzeit sind nun ein paar Ohrys-Generationen verstrichen. Diesen Mai hat meine Frau beim Mähen im Garten (an einer Stelle wo es bisher keine Oprys gab) eine "ungewöhnliche" Ragwurz entdeckt und natürlich um die Pflanze rumgemäht...


Also tatsächlich eine Albino-Hummel, mein Glückwunsch, Klaus, habe ich noch nie gesehen :thumb  :thumb  :thumb
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: kkaugusta am 23.Aug.25 um 00:59 Uhr
Hallo Berthold,

danke dir für die Glückwünsche!

Dieses Jahr hatte ich bei mir um die Ecke auch eine apochrome Biene, die dort jemand ausgesetzt hat. Es handelt sich um eine Fläche, die vor ein paar Jahren noch Ackerfläche war und nun zu einer Biotopfläche umgewandelt wurde (Oberboden abgetragen, diverse Substrate ausgebracht - Kies bzw. Sand).

Habe keine Ahnung, warum jemand in der Nähe einer Hummel-Fläche eine Biene ausbringt...

Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Berthold am 23.Aug.25 um 01:13 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 23.Aug.25 um 00:59 UhrHallo Berthold,

danke dir für die Glückwünsche!

Dieses Jahr hatte ich bei mir um die Ecke auch eine apochrome Biene, die dort jemand ausgesetzt hat. Es handelt sich um eine Fläche, die vor ein paar Jahren noch Ackerfläche war und nun zu einer Biotopfläche umgewandelt wurde (Oberboden abgetragen, diverse Substrate ausgebracht - Kies bzw. Sand).

Habe keine Ahnung, warum jemand in der Nähe einer Hummel-Fläche eine Biene ausbringt...



Das Ausbringen sollte kein Problem sein, denn eine natürliche Kreuzung ist unwahrscheinlich.
Wenn sie dennoch stattfindet, wäre es auch sehr interessant. Es dient der Artenentwicklung.
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: wölfchen am 23.Aug.25 um 12:20 Uhr
Zitat von: kkaugusta am 23.Aug.25 um 00:59 UhrHallo Berthold,

danke dir für die Glückwünsche!

Dieses Jahr hatte ich bei mir um die Ecke auch eine apochrome Biene, die dort jemand ausgesetzt hat. Es handelt sich um eine Fläche, die vor ein paar Jahren noch Ackerfläche war und nun zu einer Biotopfläche umgewandelt wurde (Oberboden abgetragen, diverse Substrate ausgebracht - Kies bzw. Sand).

Habe keine Ahnung, warum jemand in der Nähe einer Hummel-Fläche eine Biene ausbringt...



Kein Problem!  Die Natur regelt das schon ...
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Martin Wagner am 23.Aug.25 um 14:44 Uhr
Hallo Klaus,
auf der Hurlacher Au an der Lech-Staustufe stehen auch apochrome O.holoserica . Z.B. auf dem alten jüdischen Friedhof. Dürfte von dir ja nicht allzuweit entfernt sein. Und bei der guten Fernausbreitungsfähigkeit der Samen wird man das als ein Gesamtareal betrachten können. Insofern sind deine Pflanzen ja eine erfreuliche Erweiterung des Gesamtgenpools. Bestäuber durften auch kein Problem sein . Manfred Hennecke zählt in seiner Monographie auf Seite 491/492
eine ganze Reihe von Kandidaten auf , von denen ja mindestens 3 in Süddeutschland vorkommen . Wünsche dir weiter viel Erfolg bei der weiteren Kultivierung.
Gruß Martin Wagner
Titel: Aw: Wie lege ich eine Ophrys-Wiese an?
Beitrag von: Martin Wagner am 23.Aug.25 um 14:50 Uhr
Besser doch O. holosericea , woll !?!?!