Fachbereich > Allgemeines

Alba, semialba, flava, ochracea

(1/9) > >>

Berthold:
Ein paar Gesichtspunkte zu der Namensgebung der Pflanzen, wenn sie durch genetische Defekte nicht alle der für sie sonst üblichen Farbstoffe produzieren können

1. Die Pflanzen enthalten verschiedene Stoffgruppen, die auf die Farbausprägung der Pflanze Einfluss besitzen. Diese Stoffgruppen sind aber nicht nur für Farbgestaltung zuständig, sonder haben darüber hinaus meist noch weitere physiologische Bedeutung.

Die wichtigsten Stoffgruppen sind
- Chlorophyll
- Anthocyane
- Carotinoide
- Anthoxanthine
- Betalaine
- Flavone

Nicht alle Pflanzen besitzen in der normal ausgeprägten Art alle dieser Stoffgruppen in gleichem Umfang.
Darüber hinaus tritt bei einzelnen Individuen einer Art durch genetische Defekte eine Mangelproduktion des einen oder anderen Stoffes auf. Dadurch erscheinen sie äusserlich in anderen Farben und sind meist nicht so robust wie ihre normal veranlagten Artgenossen.

Für die verschiedenen Stufen der fehlenden Farbsubstanzen werden von den Pflanzenfreunden verschiedene Namensergänzungen der Artnamen gewählt zur Kennzeichnung der Form oder Variation der Art. Die Namensergänzungen sind teils unsystematisch und sollen deshalb hier erläutert werden.

2. Als Namensergänzungen werden meist benutzt
- albinistisch
- alba
- semialba
- flava
- ochracaeus
- apochrom

Albinistisch : Der Pflanze fehlt der grüne Pflanzenfarbstoff  Chlorophyll. Sie wird aber nur so bezeichnet, wenn die Art normalerweise Chlorophyll produziert. Die Blüten einer albinistischen Pflanze können normal gefärbt sein. Beispiel

alba : Der Pflanze fehlen alle Farbstoffe der Blüte, die normalerweise bei der Art enthalten sind

semialba : der Pflanze fehlt ein Teil der Farbstoffe der Blüte

flava : der Pflanze fehlen alle Farbstoffe der Blüte, die normalerweise bei der Art enthalten sind ( also analog zu der Bezeichnung alba). Bei dieser Pflanzenart bleibt jedoch trotz Fehlens der Farbstoffe aus physiologischen Gründen eine gelbe Grundfarbe im Pflanzenorganismus zurück. Dieser Effekt ist meist typisch für eine gesamte Orchideengattung

ochracaea (okergelb): analog zu semialba

apochrom : analog zu flava, wenn die Farbstoffe fehlen, bleibt kein reines Weiss sondern ein gelbgrün zurück.


cklaudia:
Hallo Berthold

Danke für deine Ausführungen. Ich habe seit Januar eine Phal. bellina, deren Blätter wahnsinnig blass sind. Die Farbe an der Basis der Blätter (wo sie den Stamm "umschliessen" kann man schon fast als weiss bezeichnen. Da ich sie nicht blühend gekauft habe, weiss ich nicht, ob die Blüten eine normale Färbung aufweisen. Ich hoffe sehr, dass dies der Fall sein wird.
Jedenfalls hatte ich mich gefragt, ob die Blattfarbe irgendetwas mit den alba-Variationen zu tun haben könnte. Da ich jedoch vorher noch nie etwas darüber gelesen habe, dachte ich dann, dies sei vielleicht doch zu weit her geholt.
Die Pflanze habe ich vor der Schliessung des Orchideenzentrums in Sirnach (Schweiz) gekauft, da ich diese Art ohnehin gerne haben wollte. Es hatte nur noch ca. 6 Pflanzen, die alle nicht blühten, aber alle diese seltsam helle Färbung aufwiesen. (Ich habe bereits einige Varietäten von bellina/violacea, deren Blätter alle "normal" und glänzend aussehen). Die Verkäuferin konnte mir auf Nachfrage nicht wirklich weiterhelfen.
Nach deiner Erklärung könnte dies jedoch eventuell eine albinistische Pflanze sein. Weisst du, ob solche Blätter doch ein blasses Grün aufweisen können? Die Bilder in dem Link von dir sind da (für mich) nicht sehr aufschlussreich.

Grüessli Claudia

Berthold:
Grüessli Claudia, eine albinistische Pflanze ist normalerweise nicht existenzfähig. Es sei denn, irgendein Pilz klammert sich an die Wurzeln und ernährt die Pflanze oder sie wird künstlich in steriler Umgebung ernährt. Wir haben letzteres manchmal bei Sämlingen von Erdorchideen, meist Ophrys.

Es gibt aber häufiger den Fall, dass durch eine Stoffwechselstörung weniger Chlorophyll gebildet wird und die Blätter dann blassgrün erscheinen. Das fehlende Chlorophyll in den Blättern muss also nicht immer genetisch bedingt sein.
Wenn das Chlorophyll fehlt besagt das nichts darüber, ob vielleicht auch Blütenfarbstoffe fehlen.

Hast Du ein Foto Deiner Pflanze?

Solanum:
Bei Orchideen fehlen alba- oder flava-Formen häufig die roten Pigmente auch in den Blütentrieben, so daß diese dann grün statt rötlich sind. Ein anderes Beispiel ist die typische rote Linie in der Mitte von cornu-cervi oder mannii-Blättern. Diese fehlt bei cornu-cervi flava und ist bei den dunkelroten cornu-cervis stärker ausgeprägt.
Bei blassen Blättern würde ich dagegen von einer Mangelerscheinung ausgehen.

Berthold:

--- Zitat von: cklaudia am 06.Apr.11 um 14:56 Uhr ---Aha. Solche Vermutungen über Mangelerscheinung oder Stoffwechselstörung habe ich ebenfalls schon gehabt. Leider konnte mir dies auch niemand mit Gewissheit bestätigen. Stoffwechselstörung an sich wäre mir dann aber logischer als eine Mangelerscheinung, die von unzureichender Pflege herrührt. 

Grüessli Claudia

--- Ende Zitat ---

Claudia, Stoffwechselstörung und Mangelerscheinung ist praktisch das Gleiche. Auf Grund irgend einer Stoffwechselstörung können bestimmte Mikronährstoffe nicht aufgenommen oder verarbeitet werden. Das führt dann zu Mangelerscheinungen an bestimmten Stellen der Pflanze.
So eine Stoffwechselstörung kann viele Ursachen haben, z. B. falsche Licht- oder Feuchtigkeitsverhältnissen, Infektionen im Wurzelbereich, falscher pH-Wert im Substrat.
In den seltensten Fällen liegt ein Mangel an Mikrokomponenten im Substrat vor. So zeigen Pflanzen manchmal gelbliche Blätter, da liegt dann oft Eisenmangel vor aber den kann man nicht durch Eisenzugabe zum Substart beheben.

Ich würde mir die Wurzeln Deiner Phal mal genau ansehen, reinigen und in neues sauberes Substrat einpflanzen.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln