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Mykorrhiza-Pilz B1, was kann er?

Begonnen von Berthold, 04.Okt.08 um 16:31 Uhr

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Berthold

Meine Aussaattests mit diesem Pilz haben die besten Ergebnisse erbracht auf Agar mit 2.5g/l gemörserten Haferflocken. Die Samen würden undesinfiziert 7 Tage nach Infizierung des Gel ausgestreut unter nicht sterilen Bedingungen. Der Standort ist dunkel bei Zimmertemperatur.
Ich habe folgende Ergebnisse für die verschiedenen Arten erhalten.
1: sehr gute Keimung bis mindestens zur minimalen Pikiergrösse von 10 mm Triebspitze
5: Keimung bis max. 2 mm Protokormgrösse, dann Stillstand
6: keine Quellung der Samen
?: Versuch läuft noch

Herminium monorchis 1+
Orchis/Anacamptis boryi 2
Orchis/Anacamptis elegans 1
Orchis/Anacamptis laxiflora 1
Orchis/Anacamptis israelitica 2
Orchis/Anacamptis morio, longicornu, papillionacea 1
Habenaria tridactylites 1
Habenaria dentata 2
Spiranthes spiralis 2
Goodyera repens 2?
Orchis/Ancamptis coriophora 2
Dactylorhiza maculata, fuchsii, sphagnicola, foliosa 2
Dactylorhiza iberica 2
Platanthera bifolia 2
Anacamptis pyramidalis 6
Orchis mascula, sitzelii, scopulorum 6
Himantoglossum hircinum 6
Calypso bulbosa 6
Cypripedium montanum, calceolus 6
Cephalanthera longifolia 6

Hier eine Auflistung von Claus
http://www.orchideenkultur.net/index.php?topic=326.msg46555#msg46555

Ich bitte, eigene Erfahrungen der Besucher zu ergänzen, um einen möglichst kompletten Überblick über diesen Mykorrhiza-Pilz zu erhalten.

Test mit einer Reihe weiterer Arten sind fehlgeschlagen, weil die Samen verpilzt waren und aus Faulheit nicht desinfiziert wurden. An den Samen anhaftende Pilzsporen verhindern meist das Anwachsen des B1 und der Samen keimt nicht, sondern nur der Schimmel. Der B1 ist ein etwas sensibler Pilz, der schnell von anderen Pilzarten, z.B. Schimmel überwuchert wird. Auch ein mit Mikrozid AF getränkter Wattestopfen in einem Erlenmeyerkolben tötet den B1 auf dem Agarboden des Kolbens schnell ab.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Niko

#1
Hallo,
meine Ergänzungen:
Orchis morio 1
Herminium monorchis 1+

und wie ist eurer Meinung nach das hier einzuschätzen:
Calopogon tuberosum auf B1, Aussaat 11/07:


vielleicht ne 5....

Viele Grüße
Niko

Berthold

#2

Niko, das sollte man als 2+ durchgehen lassen, denn sie Sämlinge sind in dieser Grösse durchaus pikierfähig, d.h. die Art wehrt sich nicht gegen das Eindringen des B1.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Uhu

#3
Spiranthes spiralis 1

bei dunkler Kultur und Umsetzen auf frischen Haferagar nach ca 8 Wochen. Aus Zeitmangel und Infektionen einige Gläser verloren, daher nur geringe Stückzahl bis zur Pikiergröße gebracht.

Anacamptis papillionacea 1
Grüße Jürgen

Berthold

#4
Ein kurzer Hinweis auf die Versuchsbedingungen wäre auch von Nutzen. Ich bitte, auch Misserfolge mitzuteilen. Dann können wir später besser abschätzen, ob er Misserfolg an der Art oder an den individuellen Versuchbedingungen (z.B. Pilz impotent, andere Substratkonzentration, anderer Stärkelieferant als Haferflocken usw.)liegt.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Uhu

#5
Anacamptis pyramidalis 6

Platanthera chlorantha 5 - lange überhaupt keine Reaktion, dann Keimung im dunklen auf dem urspünglichen Aussaatagar nach ca.7 Monaten. Nun seit WOchen kein weiteres Wachstum - werde sie umlegen, sobald es meine Zeit (und die asymbiontischen Gläser) zulassen.

Alle Aussaaten vom letzten Jahr sind mit trockener, nicht vorbehandelter Saat erfolgt.

Gruß Jürgen
Grüße Jürgen

Berthold

Zitat von: Uhu am 05.Okt.08 um 09:30 Uhr
Anacamptis pyramidalis 6

Platanthera chlorantha 5 - lange überhaupt keine Reaktion, dann Keimung im dunklen auf dem urspünglichen Aussaatagar nach ca.7 Monaten. Nun seit WOchen kein weiteres Wachstum - werde sie umlegen, sobald es meine Zeit (und die asymbiontischen Gläser) zulassen.
Gruß Jürgen

Jürgen, willst Du angepilzte Protokorme in Gläser mit Nährboden für die asymbiotischen Aussaat umlegen?
Dann sollten sich die Pilze explosionsartig vermehren und alles verstoffwechseln, was im Glas ist.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Uhu

Stimmt leider - B1 war gefräßig und hat alles nieder gemacht.
Die letzten Aussaaten darauf vom Herbst 2007 (Dact.maculata)hab ich nochmal in den Kühlschrank verfrachtet. Werde mich darum wieder kümmern wenn ich wegen der asymbiontischen Saaten ein bischen luft habe. Bei denen hab ich mit Auspikieren der Anacamptis vom letzten Sommer begonnen.

Gruß Jürgen
Grüße Jürgen

Claus

Drei Aussagen dazu von mir:

1. Die Samen sollten desinfiziert werden. Da der Pilz die Keimung verursacht und die Entfernung der Keimhemmstoffe durch das Hypochlorit nicht notwendig ist, reichen 4-5 min völlig aus. Es muss nur desinfiziert werden, ich weise nochmals auf das gute Schütteln hin, um Sauerstoffblasen von den Samen abzulösen, die Pilzsporen abdecken könnten.

2. Die desinfizierten Samen sollten nach der Bleiche mit sterilem dest. Wasser gewaschen werden, weil der B1 stark negativ auf eingebrachtes Hypochlorit reagiert. Zwar wird es in fast allen Fällen bei geeigneten Arten doch Keimung geben, die ist aber nicht optimal. Ich spritze das Wasser in die Röhrchen, aus denen ich die Bleichlösung abgesaugt habe und schüttle kurz um, bevor ich wieder absauge.

3. Wir sollten das Verfahren, erst asymbiotisch zu keimen und dann auf B1 umzulegen, nicht vernachlässigen. Die asymbiotische Keimung ist fast immer erfolgreicher, die Protokorme sollten noch relativ klein - 2mm - umgelegt werden. Warum das so ist, weiß ich nicht, vielleicht keimt der Pilz nur Samen mit bestimmtem Gen-Pool, die anderen verspeist er.

Wenn ich auch i.w. die asymbiotische Methode vorziehe, weil sie breiter anwendbar ist und zumeist Pflanzen mit fertigen Knollen liefert, fasziniert mich der Pilz weiterhin sehr. Im Orchideenforum hatte ich ja ausgiebig darüber geschrieben.

Versuche mit höheren Haferkonzentrationen als 2,5 g/l sind ziemlich sinnlos, weil der Pilz immer stärker parasitiert, je höher die Konzentration ist. Ab 5 g/l keimt er praktisch auch nicht mehr. Versuche, zusätzlich kleinere Mengen Zucker (4 g/l und 8 g/l) zuzugeben, führen auch zum Parasitieren, auch wenn die Entwicklung zunächst gut erscheint.

Zur Zeit mache ich Versuche mit Zugabe von selbst hergestelltem Hefeextrakt (ca. 1 g/l), K- (300 mg/l) und Ca-Nitrat (600 mg/l) sowie beiden Komponenten. Dabei zeigen sich wieder diese merkwürdigen Erscheinungen von dunklen Flecken im Agar, am wenigsten noch bei Nitratzugabe allein. Der Ausgangsimpfagar stammte aus einem Glas mit gut gewachsenen D. praetermissa vom Juni 08, völlig hell, so dass ich Verunreinigungen ausschließe. Ich beobachte diese Gläser zunächst allein, habe auf einige aber auch schon ausgesät, andere bekommen in Kürze einige Protokorme verpasst. Der höhere Stickstoffgehalt führt zu intensiverer Hyphenbildung, in den Gläsern mit Hefeextrakt und Nitraten bildet er im unteren Bereich an der Glaswand sogar Lufthyphen aus. Zu viel Stickstoff soll laut Literatur den Pilz (hier nicht der B1) zum Parasitieren bringen. Dr. Beyrle beschreibt das in einer Veröffentlichung aus seiner Doktorarbeit:
New Phytot. (1991), 117, 665-672
The role of nitrogen concentration in determining the outcome of the interaction between Dactylorhiza incarnata (L.) Soo and Rhizoctonia sp.
BY H. BEYRLE, F. P E N N I N G S F E L D AND B. HOCK

Das ist übrigens wahrscheinlich der DSMZ 3706. Ich habe nämlich die Vermutung, dass Dr. Beyrle seinerzeit diese drei Pilze der DSMZ zur Verfügung stellte.

Das Papier hat mir freundlicherweise Timm Willem zur Verfügung gestellt. Die Datei ist hier zu groß zum Einstellen (8MB), ich sende sie aber gern per E-Mail weiter.

Ich habe auch weiterhin Versuche mit dem schon geschilderten Eichengemisch in Arbeit. Dabei habe ich diesmal alle Pilze, die ich habe, eingesetzt. Zu berichten ist dabei, dass sich beim Wachstum dieser Pilze eine ganz starke Staffelung ergibt:

Pilz 1: ganz langsame Entwicklung von Hyphen, erst ca. 5 cm2, dieser Pilz zeigt auf Haferagar fast keine Hyphen, hier ist die Hyphenbildung nach 14 Tagen jedoch deutlich.

B1: etwas schnellere Entwicklung, nach 14 Tagen haben sich Hyphen in den meisten Gläsern über die volle Fläche von ca. 60 cm2 ausgebreitet.

DSMZ 3707 = Rhizoctonia stahlii: Der Pilz hat sich intensiv über 1/3 der Fläche mit schönen langen Hyphen ausgebreitet, den Rest der Fläche meidet er zur Zeit deutlich.

DSMZ 3713 = Rhizoctonia spec.: Hier sieht es nach grünem Schimmel aus, allerdings könnte dies auch das Charakteristikum dieses Pilzes sein, jedenfalls habe ich darauf auch ausgesät. Auf Haferagar zeigt er diese Eigenschaften nicht. Überhaupt entwickeln sich alle diese Pilze auf dem Eichengemisch viel intensiver als auf Hafer.

Der Pilz DSMZ 3707 wurde mir seinerzeit mit einem Schimmelpilz infiziert geliefert (Geld zurück !). Ich habe die Kultur noch, wollte gelegentlich noch einmal versuchen, den Symbiosepilz vom Schimmel zu trennen.

Als ich diese Eichenprodukte im Wald sammelte, standen dort auch viele abgetrocknete Farnpflanzen. Da juckte es mir in den Fingern, und ich habe auch damit einige Gläser mit B1 bestückt. Hier sind die Hyphen sehr dünn verteilt und viel zarter. Ich habe noch nicht ausgesät bzw. darauf umgelegt, bin aber gespannt auf den Unterschied. Hier scheint es so, dass der Pilz die Stengel bevorzugt (Cellulosegehalt höher?).

Diese Symbiosepilze sind gegen Fremdinfektionen doch relativ empfindlich, man sollte schon sterile Arbeitsbedingungen sicherstellen.

Es bleibt spannend.
Viele Grüße
Claus
Wer Chemiker werden will, muss Chemie studieren; wer Jurist oder Arzt werden will, muss Jura oder Medizin studieren. Aber um Politiker zu werden, ist lediglich das Studium der eigenen Interessen notwendig. (Max O'Rell)

Claus

Hallo Michael,
achte darauf, Frank hat von 0,1 g /l Hefeextrakt geschrieben, ich hatte die 10-fache Menge genommen - aus anderen Gründen.

Ja, niedrige Temperaturen, da wachsen die Sämlinge ohnehin besser. Vielleicht nicht so schnell, aber in besserer Qualität. Leider kann ich die großen Mengen an Gläsern im Sommer nicht kühlen, vielleicht ist das dann auch nicht ganz so wichtig.

Auch Svante schrieb mir mal, dass Temperaturen so um 13 Grad herum optimal seien.

Viele Grüße
Claus
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winwen

Zitat von: Claus am 06.Dez.08 um 10:39 Uhr
Zur Zeit mache ich Versuche mit Zugabe von selbst hergestelltem Hefeextrakt (ca. 1 g/l), K- (300 mg/l) und Ca-Nitrat (600 mg/l) sowie beiden Komponenten.
Hallo Claus,
bin brennend an Deinem Herstellungsverfahren für Hefeextrakt interessiert! Wie gehst Du da vor?

Berthold

Zitat von: winwen am 06.Dez.08 um 13:06 Uhr
Hallo Claus,
bin brennend an Deinem Herstellungsverfahren für Hefeextrakt interessiert! Wie gehst Du da vor?

es kommt ja drauf an, was man von der Hefe erhalten will. Eigentlich sollte ja für die symbiotische und erst recht für die asymbiotische Aussaat ein Abtöten im Drucktopf bei 120° mit der entsprechenden Zerstörungswirkung in Ordnung sein.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Claus

Hallo winwen,

der erste Versuch Hefeextrakt selbst herzustellen verlief nach dem Vorschlag von Berthold. Ich habe einen Würfel Backhefe (40 g) in 150 ml dest. Wasser aufgeschlämmt und 60 min im Drucktopf sterilisiert. Ich weiß jetzt, das man das nicht so macht, aber dem Pilz wird es egal sein, er kann ja organische Substanzen selbst abbauen.

Wie macht man es richtig? Man kann Hefe mit Salzsäure kochen und dann mit Lauge neutralisieren. So wird Hefeextrakt für Brotaufstrich hergestellt. Nun habe ich kein Labor mit Abzug, deshalb entfällt diese Methode.

Viel eleganter ist diese: Man schlämmt die Hefe in Wasser von 50 Grad auf. Das tötet die Hefezellen ab, zerstört aber nicht deren Enzyme. Diese zerlegen anschließend das Hefeeiweiß bis herunter zu den Aminosäuren. Wie lange das dauert weiß ich aber nicht. Ich werde das in einer kleinen Thermosflasche machen, damit die 50 Grad möglichst lange erhalten bleiben. Denn die chemischen Reaktionen beschleunigen sich ja mit der Temperatur, grob gesagt, mit 10 Grad Differenz verdoppeln sie sich in ihrer Geschwindigkeit.

Dazu habe ich eine selbst erlebte Anekdote. Meine Frau konnte keinen Hefekuchen backen, wenn sie ein Blech mit z.B. Streuselkuchen buk (oder backte? Die Rechtschreibprüfung lässt "buk" zu, "backte" übrigens auch), so war der fest wie ein Brett. Die Kinder und ich nannten ihn deshalb Hefestein. Irgendwann habe ich dann mal beobachtet, wie sie die Hefe ansetzte; sie löste sie mit etwas Zucker in viel zu heißem Wasser auf, die Hefezellen waren weitgehend tot. Dabei muss man die Hefe beim Backen gar nicht ansetzen, wenn man eine Küchenmaschine hat, wirft man den Würfel einfach zu den Zutaten und knetet 6 min.

Viele Grüße
Claus
Wer Chemiker werden will, muss Chemie studieren; wer Jurist oder Arzt werden will, muss Jura oder Medizin studieren. Aber um Politiker zu werden, ist lediglich das Studium der eigenen Interessen notwendig. (Max O'Rell)

winwen

Verwendet man nicht normalerweise Brauhefe statt Backhefe - oder ist der Unterschied unerheblich?
Sollte das Zeug dann nicht filtriert und eingedampft werden?

Uhu

Hallo,

hat schon mal jemand traunsteineri globulosa auf B1 ausprobiert??

Gruß Jürgen
Grüße Jürgen