Wald im Klimawandel

Begonnen von Berthold, 28.Aug.19 um 09:26 Uhr

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Berthold

In der Wärme spriesst ein Pilz, der den Borkenkäfer tötet.
Ich freue mich. :yes
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Muralis

Zitat von: Berthold am 28.Jan.20 um 14:09 Uhr
In der Wärme spriesst ein Pilz, der den Borkenkäfer tötet.
Ich freue mich. :yes

Ich freue mich nicht. Mir ist es ziemlich egal. Es wäre auch zu unlogisch, wenn gerade jetzt eines der nützlichsten Insekten überhaupt, das endlich einmal dem Homo "sapiens" richtig nachhaltig zur Kenntnis gebracht hat, wie wirtschaftlich unsinnig sein unökologisches Handeln in der "ordnungsgemäßen" Land- und Forstwirtschaft eigentlich ist, durch einen Pilz aus der Spur geworfen würde.
Nein, der Borkenkäfer muss doch erst einmal seine Sendung zu Ende bringen  ;-).
Ob der Mensch allerdings in der Lage ist, daraus zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen - das steht auf einer anderen Seite. Ich höre von riesigen Ersatzaufforstungen mit amerikanischer Douglasie...

Berthold

Zitat von: Muralis am 28.Jan.20 um 16:17 Uhr
Ob der Mensch allerdings in der Lage ist, daraus zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen - das steht auf einer anderen Seite. Ich höre von riesigen Ersatzaufforstungen mit amerikanischer Douglasie...

Aber die Douglasien sollen in allen bisher bekannten Eigenschaften besser als unsere heimischen Bäume sein. Aber ich mag sie nicht, sind mir zu fremdartig.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Rüdi

ZitatAber ich mag sie nicht, sind mir zu fremdartig

:rofl    Das sagt die AfD auch

aber riechen tun Douglasien köstlich - immer weihnachtlich nach Zitrusfrüchten
Mit gütigen Menschen zu leben, ist wie einen Raum mit Orchideen zu betreten -
        :: Kǒng Fū Zǐ  孔夫子 :: 推手 ::

Berthold

Zitat von: Rüdi am 28.Jan.20 um 17:57 Uhr
ZitatAber ich mag sie nicht, sind mir zu fremdartig

:rofl    Das sagt die AfD auch


Das musst Du mit der AfD diskutieren, wenn sie meine Meinung vertritt.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Muralis

Also was die AfD oder die FPÖ - die beiden sind ja gute Freunde, haben wir heute erfahren - zu dem Thema Fremdartigkeit sagen, kommentiere ich jetzt öffentlich nicht, diese Kartoffel ist mir zu heiß (aber ich habe natürlich gut begründete Meinungen in diesem Bereich).

Um bei den Douglasien zu bleiben, diese Konifere ist zweifelsfrei ein Neophyt, bei dem man beabsichtigt, ihn in flächigen Monokulturen in der freien Natur auszupflanzen bzw. man hat das schon getan.
Ich höre inzwischen von anerkannten Waldfachleuten, dass der Borkenkäfer im Begriff ist, auf die Douglasie überzuspringen. Die amerikanischen "Schadinsekten" der Douglasie warten vermutlich auch nur mehr auf eine Überfuhrmöglichkeit nach Mitteleuropa. Das nächste Desaster nach der Gebirgsbaumart Fichte steht also schon in den Startlöchern.

Weiters ist festzustellen, dass immer mehr unerwünschte Neophyten uns diverse ökologische Probleme bereiten und dass Monokulturen, besonders auch in der Waldwirtschaft, fast zwangsläufig ein zum Scheitern verurteiltes Konzept darstellen.

Nur - die Verantwortlichen scheinen das irgendwie nicht bemerken zu wollen oder aus den gemachten Fehlern nichts zu lernen. Sie hoffen immer noch auf einen wenigstens kurzfristig möglichen Gewinn auf Kosten der Ökosysteme.

partisanengärtner

Auch die Douglasie leidet bereits an Borkenkäfern. In vielen Fällen sind, vor allem die Küstenformen die so schnell wachsen, hier auch sehr trockenheitsanfällig.

Die zweite Form wird kaum ausgepflanzt. Sie wächst viel langsamer, ist aber Trockenheitsverträglicher. Der Botanische Garten hier hat sie, sieht aber ganz anders aus vom Wuchsbild.

Hier an der Uni ist ein Forstbotaniker der Leiter.
Die Libanonzedern die in Mischung vermehrt aufgeforstet werden,  kommen damit besser zurecht. Sie stammen aus Wildaufsammlungen aus der Osttürkei und fruchten hier seit vielen Jahren.

Allgemein meint er das wir hier viel mehr Arten anbauen sollten in stärkerer Mischung. Die Holzplantagenwirtschaft ist wohl am Ende. Es gibt keine Ideallösung doch die maximale Vielfalt ist am ehesten geeignet die Wälder der Zukunft zu begründen.
Dabei ist oft ein kleinräumiges Biotop für  eine Art geeignet und wenige hundert Meter weiter versagt die gleiche Art.

Berthold

Ja, die Vielfalt der Baumarten halte ich auch für wichtig. Da man insgesamt zu wenig weiss über alle Zusammenhänge gibt es nur das Prinzip von Versuch und Irrtum.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)

Rüdi

#68
 :thumb
Ich gebe Euch natürlich vollkommen Recht! Das mit der AfD war ein Scherz meinerseits.

Es wird in Zukunft schwierig und teuer, die Mengen an Nadelholz für bestimmte Wirtschaftszweige vorzuhalten, bei denen keine andere Holzart Verwendung finden kann. Mischwald mit Nadelholzbestand wäre schon schön, aber wie bekomme ich dieses Holz dann geerntet?
Hier zumindest gibt es kaum mehr Brennholzbedarf. Die Buchen und Eichen eignen sich bei den hiesigen Bodenverhältnissen in den seltensten Fällen zu etwas anderem. Bei der älter werdenden Bevölkerung macht keiner mehr Holz im Wald. Die Öfen werden abgemeldet oder die EU-Verordnung greift und der Kaminkehrer legt die Öfen still.
Nun wieder zur Douglasie. Die ersten Douglasien pflanzten hier die großherzoglich oldenburgischen Förster um 1830 herum. Ein paar dieser riesigen Bäume stehen noch - herrlich anzuschauen. Douglasie ist in den letzten Jahrzehnten kleinparzellig angebaut worden, auch im Nachgang von gerodeten Käferholzplantagen. Ebenfalls natürlich in Plantagenform, der besseren Erntemöglichkeit wegen. Es gibt in der Region sehr viel kleinparzelligen Privatwald durch die Erbteilung über die Generationen. Verstärkt setzt man aber jetzt im Staats- und Kommunalwald auf die Weißtanne. Aber auch da das gleiche Verfahren.
Mit gütigen Menschen zu leben, ist wie einen Raum mit Orchideen zu betreten -
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partisanengärtner

#69
Spätestens wenn man den flächig wieder am sterben hat wird das wieder aufgegeben.
Das eine andere Waldwirtschaft gewinnbringend auch betrieben werden kann zeigen die Wälder von  Baron Rotenhan bei Rentweinsdorf.
http://franzjosefadrian.com/naturnahe-walder/rentweinsdorfer-wald/

Manne

bin zwar kein großer waldbesitzer aber eine mittlere fläche habe ich auch.
ich habe libanonzeder gepflanzt. die hält jede trockenheit aus.

Rüdi

ZitatDabei ist oft ein kleinräumiges Biotop für  eine Art geeignet und wenige hundert Meter weiter versagt die gleiche Art.

Das kann ich hier wunderbar beobachten in unserer tiefstrukturierten Mittelgebirgslandschaft. Alte Fichten in feuchten Taleinschnitten, meist direkt am Bachlauf, die umstehenden Buchen noch weit überragend, sind völlig schädlingsfrei. 200 m weiter hat ehemals ein Landwirt ca. 1940 für die nachfolgenden Generationen 2 ha sogenannte "Brotbäume" (Fichten) in Stangenkultur an den steinigen Trockenhang angepflanzt. Jetzt alles nur noch Käferholz!
Solch eine Pflanzung habe ich mit meinem Vater auch auf einem unserer Grundstücke (800m²) in den 50ern getätigt - für die Alterssicherung. In solch kleine Waldparzellen gliedert sich hier die Landschaft, fast jede anders bepflanzt. Das erzeugt auch Vielfalt und unterschiedliche Altersklassen.
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Rüdi

Die natürlichen Feinde der Borkenkäfer sind wohl gegen Massenauftreten bei entsprechend gebotenen optimalen Lebensbedingungen machtlos.

https://www.wsl.ch/de/wald/krankheiten-schaedlinge-stoerungen/natuerliche-feinde.html
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partisanengärtner

Die tun sich einfach hart mit der chemischen Keule. Sie haben nicht das Potential der Käfer sich von solchen Attacken schnell zu erholen.
Mittlerweile sind die entspechenden Arten so selten geworden, dass der Wald längst weg ist bis sie mal wieder ausreichend einwandern.

Wenn entspechende Gifte schon mit Hubschraubern verteilt werden weil der eine oder andere Schädling dem Wald zu schaffen macht braucht man sich bei der hiesigen Monokultur keine Hoffnung zu machen.

Wälder die noch ein gesundes Artenspektrum in natürlicher Individuenstärke  haben wird man in Mitteleuropa kaum finden.

Birgit

#74
Dachte das Thema Douglasie sei schon längst durch. Sie überzeugen zwar durch anfangs schnelleres Wachstum, spätestens nach 25 oder 30 Jahren ist die Aufforstung aber bereits wieder Douglasien-frei. Buchdrucker, Kupferstecher, aber auch Schädlinge aus Übersee leisten gute Arbeit ;-), zudem pilzanfällig

Tannen sind wohl keine Alternative, das Holz zu weich, zudem nur für kühle Nordhänge geeignet, zudem mit hoher Verbissrate

Das Massenauftreten der Borkenkäfer ist nicht nur den Stressfaktoren ( Hitze und Trockenheit) geschuldet, bin überzeugt das die ganzjährige Beerntung erst der Brandbeschleuniger war