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Autor Thema: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane  (Gelesen 46758 mal)


Offline orchis pallens

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #330 am: 30.Mai.21 um 23:07 Uhr »
Laut Wikipedia:

„ Die beiden Glocken-Enziane mit sehr kurzen Stängeln, Clusius-Enzian (Gentiana clusii) und Kochscher Enzian (Gentiana acaulis), sind sich sehr ähnlich. Der Kochsche Enzian unterscheidet sich vom Clusius-Enzian jedoch eindeutig dadurch, dass er breitere Rosettenblätter und stumpfe Buchten zwischen den Kelchblättern hat und die azurblaue Blütenglocke am Schlund in der Regel mit fünf grünen Flecken versehen ist. Durch das Fehlen dieser Flecken wirkt der Clusius-Enzian intensiver blau. Die beiden Arten sind in ihrem Vorkommen weitgehend überschneidungsfrei, da Gentiana acaulis eine kalkmeidende Art ist und Gentiana clusii nur auf Kalk vorkommt. Der Botaniker spricht in solchen Fällen von vikariierenden Arten.“

So kenne ich das auch aus der Literatur, Berthold
Blumen sind das Lächeln der Erde


Offline partisanengärtner

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #331 am: 30.Mai.21 um 23:56 Uhr »
Hier auf dem Friedhof im Kalkschotter mit Kalksteinen scheinen alle G. acaulis zu sein. Buchten und grüne Flecken inklusive.
Chlorotisch sind keine davon.

Mit angeblich kalkholden und kalkfliehenden  Orchideen habe ich mittlerweile eher verstörende Erfahrungen gemacht.
Wenn dann die Argumentation oberflächlich versauert kommt fang ich an zu schreien.
Viele Pflanzen brauchen Calcium, wachsen aber im sauren Bereich über Kalkstein, damit die Säure das Calcium aus dem Kalkstein pflanzenverfügbar macht. Das die Cyp dort in Kalksinterterassen wächst und vom kalkgesättigten Wasser teils umspült wird macht mir die Erklärung nicht besonders glaubwürdig. Zumal Wasser ja auch hochgesaugt wird.

Am schönsten fand ich die Erklärung von Viktor
Wurzeln sollten in der Lage sein chelatisierende organische Verbindungen freizusetzen (soweit ich mich erinnern kann heißen diese auch Sequestoren) um die benötigten Ionen aus schwerlöslichen Salzen und Oxiden im Erdreich herauszulösen. Wie sonst soll die Kieselsäure in den Grashalm gelangen?
Die meisten kalkliebenden Orchideen auf mineralisch/lehmigen Böden sollten mit größter Sicherheit diese Eigenschaft auch besitzen.

Ich behaupte mal das dieser Enzian das auch kann.


Offline Viktor

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #332 am: 31.Mai.21 um 00:23 Uhr »
Jan, ich gebe dir schon recht, dass es wohl acaulis ist auf meinem Bild. Ich gebe aber dem Wikipedia Artikel und der Literatur nicht Recht. In der Literatur werden sehr oft diese Regeln aufgestellt, die dem einfacheren Verständnis der Materie dienen, egal ob es sich um Botanik, Chemie oder Medizin handelt.
Mehrmals habe ich jetzt im Internet gelesen acaulis wäre eine kalkmeidende Art. Das stimmt einfach nicht mit der Realität überein. Es gibt zB. in den Zillertaler Alpen Berggipfel, die einem Moor ähneln: Quarzgestein mit einer Humus oder Torfschicht und viel Spaghnumbewuchs. Die Vegetation setzt sich dort zusammen aus Heidel- Preiselbeeren und Rhododendron etc.
Aber in diesem Fall würde es mich wirklich wundern, wenn das auf der Hohen Kugel kein Kalk war:

https://www.alpenverein.at/vorarlberg-bezirk-hohenems/alben/2020/20200701_Mittwochwanderer_Rund-um-die-hohe-Kugel/index.php
Goodbye Lenin - Bonjour Tristesse


Offline Berthold

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #333 am: 31.Mai.21 um 00:39 Uhr »
Hier auf dem Friedhof im Kalkschotter mit Kalksteinen scheinen alle G. acaulis zu sein. Buchten und grüne Flecken inklusive.
Chlorotisch sind keine davon.

Mit angeblich kalkholden und kalkfliehenden  Orchideen habe ich mittlerweile eher verstörende Erfahrungen gemacht.
Wenn dann die Argumentation oberflächlich versauert kommt fang ich an zu schreien.
Viele Pflanzen brauchen Calcium, wachsen aber im sauren Bereich über Kalkstein, damit die Säure das Calcium aus dem Kalkstein pflanzenverfügbar macht. Das die Cyp dort in Kalksinterterassen wächst und vom kalkgesättigten Wasser teils umspült wird macht mir die Erklärung nicht besonders glaubwürdig. Zumal Wasser ja auch hochgesaugt wird.

Am schönsten fand ich die Erklärung von Viktor
Wurzeln sollten in der Lage sein chelatisierende organische Verbindungen freizusetzen (soweit ich mich erinnern kann heißen diese auch Sequestoren) um die benötigten Ionen aus schwerlöslichen Salzen und Oxiden im Erdreich herauszulösen. Wie sonst soll die Kieselsäure in den Grashalm gelangen?
Die meisten kalkliebenden Orchideen auf mineralisch/lehmigen Böden sollten mit größter Sicherheit diese Eigenschaft auch besitzen.

Ich behaupte mal das dieser Enzian das auch kann.

Ja, wenn Pflanzen über Kalkstein wachsen, bedeutet es noch lange nicht, dass der pH-Wert im Wurzelbereich über 6 liegen muss.
Die "kalkliebende" Zwergalpenrose Rhodothamnus chamaecistus wächst hier nur in einem leicht sauren Humus-Bereich weit entfernt von irgend welchen Kalksteinen. Aber in den Alpen findet man sie nur über Kalkstein.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)


Offline partisanengärtner

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #334 am: 31.Mai.21 um 08:44 Uhr »
Wenn die Humusauflage über dem Stein nur einen Zentimeter oder weniger hat, allenfalls in den Kalksteinspalten eine ähnlich starke Dicke vorhanden ist wird dieser Humus kaum unter dem neutralen Bereich liegen können.

Das Exemplar bei einem Freund steht in einer Mischung aus Kalkmergel und Kalkbrocken. Humus ist da allenfalls homöopatisch vorhanden. Wohl im wesentlichen aus den Resten der alten Blätter eben jener Pflanze.
« Letzte Änderung: 31.Mai.21 um 13:07 Uhr von partisanengärtner »


Offline Berthold

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Re: Gentiana Enzian ausser grosse Enziane
« Antwort #335 am: 31.Mai.21 um 10:14 Uhr »
Wenn die Humusauflage über dem Stein nur einen Zentimeter oder weniger hat, allenfalls in den Kalksteinspalten eine ähnlich starke Dicke vorhanden ist wird dieser Humus kaum unter dem neutralen Bereich liegen können.

Ja, das wird so sein.
Ich kenne allerdings die "kalkliebenden" Alpenpflanzen meist in einer dickeren Humusauflage wachsend.
Weniger gelobt ist genug kritisiert (frei nach Peter Altmaier)